Hamburg, 29. April. Die Schere zwischen arm und reich in Deutschland driftet seit Jahren auseinander. So jedenfalls die subjektive Wahrnehmung vieler Menschen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) verdeutlicht jedoch, dass in keinem anderen EU-Staat die einkommensärmsten zehn Prozent der Bevölkerung ihren Einkommensanteil in den vergangenen Jahren stärker erhöhen konnten als in der Bundesrepublik. Der Einkommensanteil der Reichsten ist hingegen vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise zwischen 2006 und 2010 um zehn Prozent zurückgegangen.

Nach EU-Definition gilt hierzulande ein Alleinlebender als relativ einkommensarm, wenn er über nicht mehr als 980 Euro im Monat verfügt – nach Abgaben und zuzüglich Transferleistungen. Im Falle einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Grenze bei 2.058 Euro. In den meisten anderen EU-Ländern – bis auf Österreich, Schweden und Luxemburg – gilt man mit diesem Lebensstandard nicht als armutsgefährdet.

Europaweit die geringste Einkommensarmut herrscht in Tschechien, Deutschland weist einen mittleren Wert auf, Griechenland bildet das Schlusslicht. Das Risiko, einkommensarm zu sein, ist in der Bundesrepublik im europäischen Vergleich durchschnittlich. Bei Paaren mit Kindern ist die relative Einkommensarmut deutlich niedriger als im EU-Schnitt. Auf der anderen Seite sind nach Informationen des IW Köln fast 40 Prozent der alleinerziehenden Eltern in Deutschland relativ einkommensarm. Nach EU-Definition sind von relativer Einkommensarmut all diejenigen betroffen, die nicht mehr als 60 Prozent des mittleren Pro-Kopf-Einkommens (Meridian) zur Verfügung haben. Der Meridian gibt genau jenes Einkommen an, das die gesamte Bevölkerung in zwei gleich große Teile teilt – eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger.