Hintergrundinformationen zur Entstehung von Bandscheibenvorfall und -vorwölbung

Atlasprof Volker WernerWer einen Bandscheibenvorfall oder eine -vorwölbung hat, leidet nicht zwangsläufig unter entsprechenden Symptomen. Viele solcher unbemerkten Bandscheibenveränderungen werden eher zufällig als Nebenbefund z.B. in MRT-Aufnahmen entdeckt. Genauso gut aber können Betroffene auch starke Rückenschmerzen bekommen, teilweise verbunden mit ausstrahlenden Schmerzen im Gebiet des durch den Vorfall oder die Vorwölbung betroffenen Nervs. „Bei einem Vorfall in der Halswirbelsäule kann es zum Beispiel zu sehr starken Schmerzen, Kribbeln, Taubheiten oder sogar zu Lähmungen in Armen und Händen kommen“, weiß Volker Werner, Vorstandsvorsitzender des Verbands Atlasprofilax Sektion Deutschland. Ein Vorfall in der Lendenwirbelsäule im Gesäß wiederum könne Lähmungen in Füßen oder Beinen verursachen. Bandscheibenvorfälle in der Brustwirbelsäule äußerten sich eher durch lokalen Schmerz in der Brustwirbelsäule oder entlang der Rippen.

„Bevor ich darauf eingehe, was ein Bandscheibenvorfall bzw. eine -vorwölbung eigentlich ist, braucht es einen Blick hinter die anatomischen Kulissen“, erläutert Atlasprof Volker Werner: Eine Bandscheibe besteht grundsätzlich aus zwei Teilen – dem inneren Gallertkern und dem äußeren Faserring. Sie enthält Flüssigkeit, wodurch sie als eine Art Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern fungiert – denn genau das ist der Job einer Bandscheibe. Wird Druck auf die Bandscheiben ausgeübt – durch Stehen, durch Bewegung, durch Fehlbelastungen etc. – entweicht die Flüssigkeit. „Nachts, während wir schlafen, füllen sich die Flüssigkeitdepots der Bandscheibe wieder auf“, erklärt Werner weiter. Neben Gallertkern und Faserring sei an dieser Stelle auch das hintere Längsband (Ligamentum longitudinale posterius) erwähnt. Es verläuft über alle hinteren Flächen der Wirbelkörper, in Angrenzung an die einzelnen Faserringe, und kleidet den Wirbelkanal somit in seinem vorderen Bereich aus.

„Nun aber zurück zum Thema“, so Volker Werner: „Bei einem Bandscheibenvorfall, auch Discusprolaps oder Discushernie, einem Bandscheibenprolaps – oder Nucleus pulposus prolaps – handelt es sich um die Verlagerung des Bandscheibenkerns mit einem kompletten Riss des Faserrings und ggf. auch des Längsbandes, dem sogenannten Ligamentum longitudinale posterius. Dieser Riss führt zum Austreten des Bandscheibenmaterials in den Wirbelkanal.“ Dadurch könne es zur Kompression von Nerven kommen, was häufig die erwähnten Symptome auslöse. Bei der Vorstufe des Bandscheibenvorfalls, der Bandscheibenvorwölbung (Discus protrusion), ist der Kern verlagert und es bestehen ggf. nur kleine Einrisse des Faserrings sowie ein intaktes Längsband. „Dadurch kann sich das Gesamtgebilde ‚Bandscheibe’ in dem betroffenen Bereich verschieben bzw. vorwölben und ebenfalls Druck auf Nerven ausüben

Durch seine langjährige Praxiserfahrung kommt Atlasprof Volker Werner zu dem Schluss: „Ursachen für solche Veränderungen an den Bandscheiben sind meist länger anhaltende Fehlbelastungen der Wirbelsäule. Hierzu gehören vor allem statische Wirbelsäulenfehlstellungen, wie sie z.B. durch einen fehlrotierten Atlas ausgelöst werden können.“

Hintergrund: Der Atlas besitzt als einziger Wirbel keine Bandscheibe. Die erste sitzt zwischen dem zweiten und dritten Halswirbel. Dies ermöglicht es dem Atlas, eine Bewegungsfreiheit von ca. 40° Rotation zu jeder Seite – also ca. 80° Rotationsfreiheit insgesamt – auf dem zweiten Halswirbel zu haben. Als Vergleich: Die Lendenwirbelsäule bietet lediglich 2–3° Rotation zwischen zwei Wirbeln pro Seite, d.h. 4–6° in Rotationsrichtung insgesamt. Dazu der Atlasprof: „Dies macht den Atlas zum beweglichsten Wirbel der Wirbelsäule und damit zum ‚Dirigenten’ der gesamten Statik der Wirbelsäule in absteigender Richtung.“ Natürlich könne auch z.B. eine Becken- oder Fußfehlstellung zu einer anhaltenden, aufsteigenden Problematik der Wirbelsäule führen, nebst vorhandenen faszialen Verklebungen, wie sie z.B. durch Narben, Operationen oder Verletzungen entstehen können.

Jegliche Verwringung der Wirbelsäule bewirkt eine vermehrte und vor allem eine Dauerkompression der Bandscheiben. Dieser anhaltende Druck führt zur Überlastung des knorpeligen Faserrings der Bandscheibe und damit zu möglichen Einrissen. In der Folge kann sich der Bandscheibenkern verlagern und zu einer Bandscheibenvorwölbung oder einem Bandscheibenvorfall werden. „In diesem Prozess kann ein fehlgestellter Atlas eine große Rolle spielen“, sagt Atlasprof Volker Werner. Denn seine Fehlrotation könne sich absteigend auf die darunterliegenden Wirbel auswirken. Weiterhin betont Volker Werner: „Auch nachts haben die durch die Fehlstellung betroffenen Bandscheiben dann weniger Möglichkeit, sich im vollen Umfang mit Wasser aufzufüllen und ihre vollständige Höhe zu erreichen, da die vom Atlas ausgelöste Fehlrotation der Wirbelsäule auch in liegender Position aufrechterhalten bleibt. Dies kann die Entstehung eines Bandscheibenschadens beschleunigen.“

Vor diesem Hintergrund könne eine Dekompression, also eine aktive Aufrichtung der Wirbelsäule, eine sehr effektive Maßnahme sein, um den Druck von den Bandscheiben und dadurch auch von den Nerven zu nehmen. „Hierfür ist die korrekte Lage der Wirbel, insbesondere des sehr beweglichen Atlas, eine wichtige Grundvoraussetzung“, schließt Volker Werner ab.

Verantwortlicher Anbieter:
Atlasprofilax Sektion Deutschland e.V.
Volker Werner
vorstand@atlasprofilax.de
www.atlasprofilax.de