Hamburg, 10. Juni. China bekommt zunehmend die schwache Weltkonjunktur zu spüren. Im Mai verbesserte sich das Außenhandelsergebnis des Landes laut amtlicher Nachrichtenagentur um lediglich 0,4 Prozent. Zum Vergleich: Im April war der Handel im Jahresvergleich noch um 15,7 Prozent gestiegen. Grund zur Beunruhigung sehen Experten allerdings nicht. Bereits in der Vergangenheit seien Zahlen durch Finanztricks aufgebläht worden.

Seit Wochen gibt es Spekulationen, wonach das Exportvolumen künstlich aufgebläht wurde, um „heißes Kapital“ ins Land zu holen. Dies bedeutet: Investoren bringen über künstlich erhöhte Preise für Exportgüter Kapital ins Land, um dort höhere Renditen zu erzielen, als in westlichen Staaten. Chinas Aufsichtsbehörden hatten bereits strengere Kontrollen des Handels angekündigt, die sich anscheinend nun in sinkenden Außenhandelszahlen widerspiegeln.

Neben strengeren Finanzkontrollen spiegeln die rückläufigen Zahlen allerdings auch die schwache externe Nachfrage – insbesondere aus der Europäischen Union – wider. Von Januar bis Mai ging der Handel zwischen China und Europa um 2,8 Prozent zurück.

Inwiefern der drohende Handelskrieg zwischen Europa und China bereits in den Mai-Zahlen zum Ausdruck kam, ist offen. Nachdem die Europäische Kommission in der vergangenen Woche Strafzölle auf chinesische Solarmodule beschlossen hatte, reagierte die Volksrepublik ihrerseits mit der Androhung von Strafzöllen auf europäische Weine. Insbesondere die deutsche Industrie befürchtet eine Eskalation der Auseinandersetzung und erhebliche Einbußen auf einen bis dato gut laufenden Absatzmarkt.