Hamburg, 16. April. Europäische Unternehmen geraten zunehmend in den Fokus von chinesischen Staatskonzernen. Mehr als 12,6 Mrd. US-Dollar gaben sie allein im vergangenen Jahr für Übernahmen europäischer Firmen aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Private-Equity-Anbieters A Capital. Im Vergleich zu 2011 stiegen die Investitionen um rund ein Fünftel, wobei der Großteil in die Sektoren Industrie und Dienstleistungen floss.

Beliebte Branchen

Damit belegt Europa unangefochten den ersten Platz. Mit 7,56 Mrd. US-Dollar bzw. 6,49 Mrd. US-Dollar folgen dahinter mit großem Abstand Nord- und Südamerika. In der aktuellen Schwäche Europas sehen Experten einen wesentlichen Grund für die hohe Beliebtheit dort ansässiger Firmen. Insbesondere in den Bereichen Automobil, Umwelt, Gesundheit und Maschinenbau seien viele von ihnen Weltspitze. Laut Chinas aktuellem Fünf-Jahresplan kommt diesen Branchen besonders hohe Bedeutung zu. Daher fördert der Staat Übernahmen durch Billigkredite und Steuervergünstigungen für Unternehmen.

Weniger Vorbehalte

Weiterer Grund für die hohe Beliebtheit Europas: chinesische Staatskonzerne treffen hier bei Übernahmeversuchen laut Experteneinschätzung auf deutlich weniger Widerstände als bspw. in Nordamerika. Insbesondere in Anbetracht der Staatsschuldenkrise und zunehmender Rezessionssorgen benötigen große Teile der Wirtschaft frisches Kapital.

Zuletzt übernahm der Staatsfonds China Investment Corporation einen Anteil von 10 % am Londoner Flughafen Heathrow im Wert von umgerechnet 560 Mio. Euro. Für einen 7 %-igen Anteil am europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat bezahlte er über 385 Mio. Euro. Dadurch wurden Chinesen erstmals Mitgesellschafter bei einem großen westlichen Betreiber von Telekommunikations- und TV-Satelliten. Chinas Stromkonzern Three Gorges Corporation übernahm für 3,5 Bio. US-Dollar 21 % des ehemaligen portugiesischen Monopolisten Energias de Portugal und stach dabei den deutschen Konkurrenten E.ON aus.