Hamburg, 03. Dezember. Mit dem Zukunftsatlas illustriert das Unternehmen Prognos seit 2004 alle drei Jahre die Zukunftschancen und Risiken aller Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands. Der Index beruht auf insgesamt 29 Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Arbeitsmarkt, Wettbewerb und Innovation sowie Wohlstand und soziale Lage. Es erfolgt zudem eine Differenzierung nach „Stärke“ und „Dynamik“. Dies ermöglicht Aussagen über Standortstärke und Entwicklung der Regionen. Für Unternehmen kann der Zukunftsatlas daher wichtige Anhaltspunkte bei der Auswahl eines geeigneten Standorts liefern.

Süd-Nord-Gefälle verstärkt sich weiter

Wie die Ergebnisse zeigen, herrscht in Deutschland ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Zwar dürfte die meisten dieser Aspekt kaum überraschen. Interessant ist jedoch, dass sich die Schere zwischen den süddeutschen Regionen Hessen, Bayern sowie Baden-Württemberg und dem Rest der Republik immer weiter öffnet. Dabei konzentrieren sich hohe, sehr hohe und beste Zukunftsaussichten laut Untersuchung immer mehr auf den süddeutschen Raum. Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Vergleich der Ergebnisse von 2013 mit denen von 2004. Während vor neun Jahren noch 78 Prozent der Regionen mit hohen bis besten Zukunftschancen in den Bundesländern Hessen, Bayern und Baden-Württemberg lagen, waren es 2013 bereits 83 Prozent.

Schrumpfende Bevölkerung längst kein rein ostdeutsches Problem mehr

Deutschlands Bevölkerung schrumpft. Hohe Bevölkerungsverluste stellen jedoch nicht mehr nur Ostdeutschland, sondern zunehmend auch ländliche Regionen und strukturell benachteiligte Städte im Westen vor enorme Herausforderungen. Insbesondere junge Menschen wandern ab und sorgen damit für eine Verschiebung der Altersstruktur. In den betroffenen Regionen äußert sich dies in einem niedrigen Anteil junger Erwachsener, der selten höher liegt als 14 Prozent. Diese Entwicklung hat maßgeblichen Einfluss auf zahlreiche Bereiche wie bspw. Wohnen, die Gesellschaftsstrukturen oder auch die Infrastrukturversorgung. Gleichzeitig verstärkt die zunehmende Abwanderung bzw. Alterung laut Studie die Notwendigkeit neuartiger Konzepte in der Regional- und Stadtentwicklung.

Unterstützung unabhängig der Himmelsrichtung

Im Jahr 2013 müssen alte Ansichten korrigiert werden. Dazu zählt die landläufige Meinung, wonach der Osten grundsätzlich schlechter positioniert ist als der Westen. In zahlreichen Fällen greift dieser Ansatz zu kurz. Wie der Zukunftsatlas zeigt, bleiben die Risiken in vielen Regionen im Osten des Landes bestehen, gleichzeitig nehmen aber auch in immer mehr westdeutschen Regionen künftig die Risiken gegenüber den Chancen zu. Dies verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen: Inzwischen lebt mit 19 Prozent fast jeder fünfte Einwohner hierzulande in einer Region mit Zukunftsrisiken. 2004 lag der Anteil noch bei 14 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht die Notwendigkeit eines Umdenkens in der Wirtschafts- und Strukturpolitik. Wünschenswert ist eine gezielte Förderung der Regionen sein, die sich am tatsächlichen Bedarf und nicht an der Himmelsrichtung orientiert.

Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter

Aufgrund der guten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wächst der Wohlstand in Deutschland. Dies spiegelt sich u.a. in einem steigenden Konsumklima wider. Zwischen 2007 und 2012 stieg die Kaufkraft hierzulande, gemessen in Euro pro Kopf, laut Zukunftsatlas um etwa 2.000 Euro bzw. 12 Prozent auf insgesamt 20.554 Euro. Auch ein Blick auf das durchschnittlich zur Verfügung stehende Nettoeinkommen je Einwohner zeigt sich ein langfristiger Aufwärtstrend. Allerdings bleibt die Schere zwischen armen und reichen Regionen weit geöffnet. Dies zeigt die Langfristbetrachtung zwischen 2004 und 2013. Demnach ist der Anteil der Regionen mit ausgeglichenen Chancen und Risiken weiter geschrumpft. Gut positionierte Regionen bauen ihre Stärken weiter aus und setzen sich immer deutlicher von den übrigen Regionen ab. In zunehmend mehr Bundesländern stehen daher prosperierende Regionen mit hohem Wohlstandsniveau jenen mit Strukturproblemen und geringem Wohlstandsniveau gegenüber. Ein Ende dieser Entwicklung ist aus heutiger Betrachtung nicht in Sicht.