Hamburg, 04 Juli. Am vergangenen Samstag war es endlich soweit. Vor 45.000 Zuschauern, darunter mindestens 10.000 Briten, standen sich im Hamburger Stadion IBF- und WBO-Weltweister Wladimir Klitschko und der WBA-Champion David Haye gegenüber. Seit Jahren hatte die darbende und Klitschko-dominierte Schwergewichtsszene auf diese Auseinandersetzung gewartet. Doch nicht nur aus sportlicher Sicht war der Kampf ein gigantisches Spektakel.

Seit Ende 2008 ließ der Brite Haye keine Gelegenheit aus, Wladimir und Vitali Klitschko zu beleidigen. Es begann mit einer Fotomontage auf dem „Men’s Health”-Cover, auf der er den abgetrennten Kopf Wladimirs in seiner Hand hält, bis hin zu einem Handyspiel namens „David Haye’s Knockout”, in dem es darum geht, einem „sehr großen Osteuropäer”, wie er sagte, den Kopf abzuschlagen. Bei der offiziellen Pressekonferenz vor dem Kampf kam es sogar zum Handgemenge der beiden Lager, die mit markigen Sprüchen die Stimmung kräftig anheizten. Haye gefiel sich in der Rolle des Provokateurs, des Bad Boys der Schwergewichtsszene. Natürlich ging es ihm dabei vor allem darum, den Kampf möglichst medienwirksam und somit auch gewinnbringend zu promoten – dies gelang eindrucksvoll.

Für die 36 Minuten Faustkampf teilen sich beide Kontrahenten eine Börse von über 25 Millionen Euro, nach zähen Verhandlungen, 50:50. Hinzu kommen die Einnahmen aus dem britischen Pay-TV, die erst noch berechnet werden müssen.

Doch nicht nur die Börse ist spektakulär. Auch die übertragende Fernsehstation RTL konnte sich über den medialen Hype und damit verbunden eine hohe Quote freuen. Insgesamt 15,5 Millionen Zuschauer ab drei Jahren verfolgten den Boxkampf vor den Bildschirmen und erlebten den einstimmigen Punktsieg von Klitschko. Der Marktanteil beim Gesamtpublikum lag bei 67 %. Noch besser lief es für den Kölner Privatsender in der, für die Werbewirtschaft so wichtigen Zielgruppe, den 14- bis 49-Jähringen. Hier betrug der Marktanteil sogar rekordverdächtige 70 %.

Gewinner gibt es am Ende also viele. Klitschko, der nun zusammen mit seinem Bruder die Weltmeistertitel der vier größten Boxverbände hält und darüber hinaus 12 Millionen Euro reicher ist als zuvor. Haye, der sich über die gleiche Summe freuen kann. Und RTL, die dank der Quoten hohe Werbeinnahmen verbuchen können. Dass sich so ein Spektakel in absehbarer Zeit wiederholt, ist unwahrscheinlich. Ein geeigneter Gegner ist für die Klitschkos nicht in Sicht. Eine Möglichkeit gäbe es aber doch. Auf der Pressekonferenz nach dem Kampf ließ Haye verlauten, dass er einem Rückkampf durchaus offen gegenüber stünde. Verwundern dürfte dies niemanden, wäre es doch der nächste große Zahltag.

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