Hamburg, 19. August. In den vergangenen Monaten hat Gold seinen Ruf als vermeintlich sicherer Hafen erneut unter Beweis gestellt. Heute  steigt das Edelmetall mit über 1.880 US-Dollar auf ein neues Allzeithoch. Auch der Preis für Silber hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, kam jedoch nach einem neuen 30-Jahres-Hoch bei 49,51 US-Dollar Anfang Mai massiv unter Druck und notiert aktuell leicht über 41 US-Dollar. Trotz dieser Korrekturphase ist der langfristige Aufwärtstrend nach wie vor ungebrochen. Für Investoren stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob sich ein Engagement in Gold und Silber überhaupt noch lohnt. Oder sind beide Edelmetalle nicht schon längst überbewertet?

Ohne Zweifel zählt Gold zu den großen Gewinnern der Schuldenkrise in Europa und den USA. Trotz der Einigung über eine neue Schuldenobergrenze in den Vereinigten Staaten Ende Juli hat sich am Grundproblem wenig verändert: Die Verschuldungslage in Amerika ist und bleibt weiterhin mehr als angespannt. Ausdruck hierfür war die kürzlich vorgenommene Abwertung der Kreditwürdigkeit des Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor’s. Auch Europa kämpft mit dem Problem ausufernder Staatsschulden. Zunächst Irland, dann Griechenland. Aktuell heißen die Sorgenkinder Spanien und Italien. Auch über eine bevorstehende Abwertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs wurde zwischenzeitlich spekuliert. Ein Ende scheint somit noch lange nicht in Sicht.

Auf diese Entwicklungen reagieren auch die Märkte: Der Dollar verliert gegenüber dem Euro an Wert, obwohl auch dieser sich in einer Krise befindet, was wiederum an dessen Wertverlust im Vergleich zum Schweizer Franken abzulesen ist. Im Gegensatz dazu steigt der Goldpreis in fast allen Währungen der Welt: Ein deutliches Misstrauensvotum der Marktteilnehmer gegenüber Papiergeld.

Wesentlich mehr Vertrauen setzen Investoren hingegen auf Gold. Neben einem knapp zehnjährigen Aufwärtstrend spricht die nach wie vor geringe Verbreitung für das Edelmetall. Schätzungen gehen davon aus, dass aktuell gerade einmal 0,7 bis 1 % des weltweiten Vermögens in Gold investiert ist. Grund hierfür: In den vergangenen Jahren haben viele Investoren ihre Goldpositionen sukzessive reduziert, um an vermeintlich aussichtsreicheren Aktienkursen zu partizipieren. Auch in Deutschland gibt es nach wie vor erhebliches Aufholpotenzial. Nach einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa besitzen derzeit lediglich 8 % der Deutschen Gold in Form von Barren oder Münzen. Weitere 2 % denken darüber nach, sich Gold in den kommenden sechs Monaten zuzulegen – dies sind jedoch vor allem diejenigen, die bereits investiert sind. Auch ein Blick in die Historie offenbart weiteres Potenzial. So waren während der letzten großen Goldhausse im Jahr 1980 beispielsweise zwischen 30 und 35 % investiert. Nach oben besteht somit noch deutlich Spielraum. Seit Ausbruch der Finanzkrise hat Gold bewiesen, dass es in turbulenten Phasen Stabilität in ein Depot bringt. Selbst wenn es in Zeiten stark steigender Aktienkurse in der Performance etwas hinterherhinkt – es ist und bleibt ein sehr geeignetes Asset für risikoaverse Investoren.

Ähnlich wie Gold hat auch Silber im Zuge der weltweiten Schuldenkrise profitiert und spürbar an Wert gewonnen, erfuhr jedoch Anfang Mai eine starke Korrektur. Dennoch notiert das Edelmetall mit aktuell etwa 41 US-Dollar (Stand 19. August) deutlich über dem Preis des Vorjahres, als Silber um die Marke von 18 US-Dollar schwankte. Trotz der bis dato positiven Entwicklung in diesem Jahr, geht die Mehrheit der Experten kurz- und mittelfristig von einem sinkenden Silberpreis aus. Dies kommt im aktuellen Report der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zum Ausdruck. Bei Futures auf Silber wies der Report einen deutlichen Rückgang der optimistischen Markterwartung der Spekulanten aus. Insbesondere bei Großspekulanten brach der Optimismus über 26 % ein. Bei Kleinspekulanten zeigt sich ein ähnliches Bild, wenngleich der Rückgang hier mit 14,4 % vergleichsweise weniger deutlich verlief.

In der langfristigen Betrachtung bleibt Silber dennoch aussichtsreich. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Einer ist sicherlich die Anlagebereitschaft der Bürger. Für viele ist Gold zu teuer, Aktien empfinden sie als unsicher und Immobilien kaum zu finanzieren. Ein anderer Grund für den Anstieg ist aber auch die nach der Finanzkrise wieder erstarkte Konjunktur. Im Gegensatz zu Gold wird Silber nur zu einem kleinen Teil zu Schmuck verarbeitet. Wesentlicher ist die Verwertung des Edelmetalls in der Industrie. Bei der Herstellung von Batterien, elektrischen Geräten, CDs und sogar in Cremes und Salben kommt Silber vor. Aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaften findet es auch in Stoffen, wie z.B. bestimmten Strümpfen für Diabetiker und medizinischen Wundauflagen, Verwendung. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist anzunehmen, dass Silberreserven analog zu Gold in den kommenden Jahren deutlich abnehmen. Da das sogenannte „Gold des kleinen Mannes“ einen festen Platz in Industrie und Medizin hat, ist aufgrund der steigenden Nachfrage und dem sich verknappenden Angebot ein weiterer Wertanstieg des Edelmetalls wahrscheinlich.

Zuletzt stieg die Nachfrage nach Gold und Silber nicht nur auf Seiten der Privatanleger, sondern auch auf Seiten der Notenbanken. Anfang August gab beispielsweise die Zentralbank von Süd-Korea den Kauf von 25 Tonnen Gold zwischen Juni und Juli bekannt. Ein historischer Schritt. Seit über 13 Jahren traten die Koreaner somit erstmals wieder auf der Käuferseite am Goldmarkt auf. Auch die Zentralbanken Thailands, Vietnams, Russlands, Chinas, Mexikos und Griechenlands traten in den vergangenen Monaten als Käufer in Erscheinung. Viele Experten gehen davon aus, dass breite Anlegerschichten und die Mehrzahl der Zentralbanken Gold und Silber in den kommenden Monaten und Jahren zunehmend als einzig verbleibende solide Währungen erkennen und deren Gewichtung in der Gesamtvermögensstruktur drastisch aufstocken werden. Vor diesem Hintergrund sind die Aussichten für Gold und Silber nach wie vor chancenreich.

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Allgemeiner Risikohinweis für Finanzprodukte