Hamburg, 29. August. Zwar steht eine Mehrheit der Deutschen hinter der Energiewende, hält sie zugleich aber für schlecht gemanagt. Bürger und Industrielle stoßen sich gleichermaßen an hohen Strompreisen. Doch während erstere tatsächlich stets neue Preisaufschläge schlucken müssen, zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die Stromkosten für energieintensive Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv gesunken sind.

Eine Befragung im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zeigt: 82 Prozent der 1.600 befragten Bürger bewerten die Ziele der Energiewende als „völlig“ oder „eher“ richtig. Nicht verwunderlich jedoch ist, dass mehr als die Hälfte mit den hohen Kosten hadert. Lagen die Strompreiserhöhungen in den vergangenen zehn Jahren noch regelmäßig im einstelligen Prozentbereich, müssen Verbraucher im Vergleich zum Vorjahr nun 12 Prozent mehr für Strom bezahlen. Der Anteil des Staates am Strompreis hat dabei die Grenze von 50 Prozent überschritten.

Besorgt ist aber auch die Industrie. Laut vzbv stellten die befragten 734 Entscheider aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen Bund und Ländern die Schulnote „vier minus“ aus. Steigende Strompreise schwächten den Standortvorteil Deutschlands, es drohe eine Deindustrialisierung, so das immergleiche Horn, in das dabei gestoßen wird. Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme nun zeigt, sind die Hauptkostentreiber des Strompreises die Ausnahmen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – und nicht etwa der Ausbau erneuerbarer Energieträger. Betroffen sind hiervon aber nicht die Großkunden, sondern die einfachen Verbraucher. Bleibt es beim aktuellen Vergütungssystem mit den zahlreichen Rabatten für Großabnehmer, subventioniert ein privater Durchschnittshaushalt die Stromrechnung der energieintensiven Industrie 2014 mit insgesamt etwa 69 Euro bzw. 2 Cent pro Kilowattstunde. Beim Streichen dieser Ausnahmen läge die EEG-Umlage nur bei lediglich 3,8 statt 5,3 Cent pro Kilowattstunde.

Sinkende Preise an den Strombörsen

Für Großabnehmer entwickelt sich der Strompreis allen Unkenrufen zum Trotz prächtig. Nach Berechnungen des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) kennt dieser für energieintensive Unternehmen seit zwei Jahren nur eine Richtung: nach unten. Derzeit befindet er sich auf dem Stand von 2005, laut Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) habe sich der Einkaufspreis für Großkunden an der Leipziger Strombörse von Januar 2008 bis Oktober 2012 um 22 Prozent verringert. Gleichzeitig lagen die monatlichen Strompreise in diesem Zeitraum 7 Prozent unter dem Durchschnitt der restlichen europäischen Energiebörsen. Doch auch für weniger energieintensive Unternehmen, die nicht in den Genuss von Sonderrechten kommen, stellt sich die Lage weit weniger angespannt dar als oftmals behauptet. Aktuelle Erhebungen der KfW-Bankengruppe zeigen, dass der deutsche Strompreis im Vergleich zum EU-27-Preis allenfalls moderat angestiegen ist. Zwischen 2008 und 2012 legten die Preise demnach EU-weit im Schnitt um 5 Prozent pro Jahr zu, in Deutschland dagegen lediglich um 4,8 Prozent.