Hamburg, 23. September. In den unruhigen Börsenzeiten ist auf wenig Verlass. Einzig die täglich neuen Negativ-Schlagzeilen scheinen eine Bank zu sein, auf die Anleger setzen können. Inzwischen gibt es wohl niemanden mehr, dessen Stimme in der Öffentlichkeit gehört wird, der nicht auch etwas dazu gesagt hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint irdischen Lösungen von der europäischen Schuldenkrise inzwischen so wenig Erfolgschancen beizumessen, dass sie sich göttlichen Beistand durch Gespräche mit dem Papst verspricht.

Bekennende Optimisten finden sich derzeit wenige im Kreise internationaler Ökonomen und Politiker. Es herrscht folglich relative Einigkeit darüber, dass die Lage Europas sehr kritisch ist. Lösungsvorschläge gehen dagegen deutlich weiter auseinander. Während einige Vertreter der freien Wirtschaft, Wissenschaftler und Politiker für gemeinsame europäische Anleihen – sogenannte Euro-Bonds – stimmen, hoffen Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy noch, dass der europäische Rettungsschirm EFSF ausreicht, um die Krise einzudämmen. Beide Länder gehören zu den verbliebenen 6 Euro-Staaten, die über eine Bonitätsbewertung von AAA verfügen. Sicherlich ein Grund, weshalb sich die beiden Regierungschefs gegen Euro-Bonds aussprechen: Gemeinsame europäische Anleihen würden zwar hoch-verschuldeten Ländern wie Griechenland helfen, weil sie für Kredite geringere Risikoaufschläge zahlen müssten. Für Staaten mit Top-Rating würden Euro-Bonds die Refinanzierung am Kapitalmarkt aber deutlich verteuern. Einen Alternativ-Vorschlag unterbreitete die EU-Kommission: Demnach sollen nur die mit Bestnote gerateten Staaten gemeinsame Anleihen einführen und die Kredite in einem zweiten Schritt an notleidende Staaten weitergeben. Im Ergebnis würden Deutschland, Frankreich, Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland das Haftungsrisiko tragen und eine günstigere Refinanzierung anderer Mitgliedsstaaten ermöglichen. Der von der stellvertretenden Kommissionschefin Viviane Reding vorgestellte Plan bietet sicherlich einige Vorteile. Andererseits löst er nicht alle offensichtlichen Probleme: Vorbehalte gegenüber gemeinsamen Anleihen resultieren nicht nur aus den höheren Refinanzierungskosten. Wie Merkel und Sarkozy bei ihrer gemeinsamen Erklärung begründet haben, können Euro-Bonds nicht der Anfang einer finanz- und wirtschaftspolitischen Integration sein. Zudem werden die Schuldenprobleme nicht durch eine günstigere Refinanzierung gelöst. Hierfür sind strukturelle Veränderungen unumgänglich und die Unterstützung durch Euro-Partner kann daher nur flankierend erfolgen.

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