Hamburg, 11. Juli. Schuldenkrisen in Euro-Ländern ziehen immer weitere Kreise. Seit letzter Woche Freitag gehört Italien zu den Großbaustellen der Gemeinschaftswährung. So kletterten die Risikoaufschläge für 10-jährige Staatsanleihen auf das höchste Niveau seit Einführung des Euro. Auch die Aktien italienischer Großbanken verzeichneten deutliche Verluste – Unicredit verlor binnen einer Woche etwa 20 % an Wert. Auslöser, wenn auch nicht Hauptgrund, war die Aussage von Ministerpräsident Berlusconi, noch Änderungen am Sparpaket vornehmen zu wollen. Als Initiator des Pakets gilt der als eiserner Einsparer bekannte Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Mit seinem Plan sollte Italien bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt erreichen. Abgesehen von der Angst der Investoren vor einer Aufweichung des strikten Plans, liegt die Begründung für Italiens Probleme in der strukturellen Verschuldung. Mit einer absoluten Verschuldung von 120% im Vergleich zur Wirtschaftsleistung, belegt Italien einen traurigen zweiten Platz direkt hinter Griechenland. Andere Faktoren der Wirtschaft zeigen wiederum eine positive Tendenz: Privathaushalte weisen keine übermäßige Verschuldung auf und die Wirtschaft insgesamt ist deutlich breiter aufgestellt als die Griechenlands. Dass sich die zuständigen EU-Finanzminister jedoch bislang nicht auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland einigen konnten, verunsichert die Märkte zusätzlich. Entsprechend groß ist die Sorge der zentralen Entscheider des Euro. Auf der Sondersitzung am heutigen Montag treffen sich EU-Kommissionspräsident Barroso, EU-Währungskommissar Rehn, EZB-Präsident Trichet und Euro-Gruppen-Chef Juncker. Ihre Befürchtungen haben einen Grund: Mit Italien ist inzwischen die drittgrößte Volkswirtschaft Europas in Gefahr. Ein Land, das entsprechend der Logik bei Banken, nicht nur zu groß ist um es pleite gehen zu lassen, also too-big-to-fail. In der italienischen Zeitung La Repubblica wird Tremonti zitiert: „Wenn Italien stürzt, ein Land das zu groß ist, um gerettet zu werden, dann stürzt der Euro.“ Damit ist Italien entsprechend too-big-to-be-rescued. Diese beunruhigende Tatsache und die Negativmeldungen der letzten Woche begründen die kurzfristig einberufene Sitzung. Trotz aller Unterschiede zu Griechenland lässt sich aus der Entwicklung der letzten Zeit eins voraussagen: Kurzfristig einberufene Treffen führen zu keinen schnellen Lösungen.

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