Hamburg, 25. Juni. Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Fukushima hat die Debatte um Atomkraft europaweit deutlich an Fahrt gewonnen. Mit der Strategie „Europa 2020“* hat sich die EU für die kommenden 10 Jahre weitere energiepolitische Ziele im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz gesetzt. Bisher gehen die Mitgliedstaaten bei der Sicherstellung bezahlbarer Energie für Wirtschaft und Haushalte jedoch unterschiedliche Wege.

Obwohl der atomare GAU bei den Regierungen der europäischen Länder ein Umdenken bewegt hat, fielen die Konsequenzen insgesamt recht gering aus. Bisher haben einzig die Schweiz – als nicht EU-Mitglied – und Deutschland einen klaren Atomausstieg beschlossen. Laut der Süddeutschen Zeitung soll hier das letzte AKW bis 2034 ab-geschaltet werden. Verabschiedet wurde dieser Beschluss nach einer großen nationalen Anti-Atomkraft-Demonstration. Zukünftig steht hier daher alternative Energieerzeugung im Fokus. Auch Österreich, das selbst keine Atomkraftwerke betreibt, macht sich seit Fukushima für einen breiten Atomausstieg stark.

Auf einem guten Weg zeigt sich zudem Italien. Bereits nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte das Land auf Atomenergie verzichtet – eine Volksabstimmung führte im Jahr 1990 zur vollständigen Abschaltung aller vier Atomkraftwerke. Über einen Wiedereinstieg wurde jedoch seit 2006 unter der Regierung Berlusconi nachgedacht. Im Rahmen eines Referendums im Juni dieses Jahres sprachen sich allerdings 95% der italienischen Bevölkerung dagegen aus.

Doch ein Großteil der EU-Mitgliedsländer bleibt auf „Pro-AKW-Kurs“. So u.a. Frankreich, das mit 59 Atomkraftwerken an der europäischen Spitze steht und Kernenergie als „grundlegendes Element“ französischer Unabhängigkeit bei der Energieversorgung sieht, wie Präsident Sarkozy bekräftigt. Auch osteuropäische Länder bewerten den Ausstieg als schwierigen Schritt. Denn bei einem Verzicht auf Kernkraft fürchten sie, in eine energiepolitische Abhängigkeit Russlands zu geraten.

Inwiefern sich ein Atomausstieg in Europa flächendeckend durchsetzt, bleibt also abzuwarten. Unstrittig ist jedoch, dass Erneuerbare Energien für die künftige Energieversorgung unerlässlich sind und nicht zuletzt deshalb großes Potenzial besitzen.

* Quelle: http://ec.europa.eu/europe2020/index_de.htm

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