Hamburg, 28. November. Ende letzter Woche gab die Ratingsagentur Fitch die Herabstufung Portugals auf Ramschniveau bekannt. Beinahe täglich beherrschen Negativ-Nachrichten die Medienlandschaft und rücken so eine wesentliche Frage in den Fokus: Welche EU-Länder haben derzeit ein gutes Rating, das zudem als sicher gilt – falls von sicher überhaupt die Rede sein kann. In einer kurzen Übersicht sind im Folgenden die Bonitätsratings einzelner europäischer Länder aufgelistet, kategorisch geordnet von „Toprating mit gewisser Sicherheitsgarantie“ bis „Staaten mit Ramschniveau“.

Positive Ratings, die derzeit als sicher gelten

Nur einige wenige Staaten Europas verfügen derzeit noch über eine Top-Bonität, die auch von den großen Ratingagenturen S&P, Moody´s und Fitch als stabil gewertet werden. Dazu zählt beispielsweise Deutschland – und das obwohl der Staat bereits 2010 die 3-Prozent-Schuldengrenze überschritten hat. Dennoch steht das Toprating hier nicht zur Debatte. Ähnliches gilt für Finnland. Hier sind die Versicherungen gegen den Ausfall der eigenen Kredite derzeit sogar günstiger als deutsche Staatsanleihen. Ebenfalls keinen Grund zur Sorge sehen die Ratingagenturen in Malta, den Niederlanden und Luxemburg. Auch Estland lässt sich in die Liste der Toprating-Länder einreihen, mit einem momentan schier unglaublichen Zusatz: Estland gilt als schuldenfrei.

Ratings auf der Negativ-Kippe

Noch gehört Frankreich zu den EU-Staaten, die mit einer guten Bonität bewertet werden. Erst kürzlich allerdings veröffentlichte S&P eine Meldung, in der die Herabstufung Frankreichs angekündigt wurde – versehentlich, wie es hieß. Doch eine solche Aktion lässt schon an der Bonität Frankreichs zweifeln, ebenso wie die Aussage von Moody´s, die insbesondere das hohe französische Staatsdefizit sehr kritisch sieht. Auch Österreichs Toprating steht aus Sicht der großen Ratingagenturen längst nicht mehr auf stabilen Füßen. Sorgen machen hier vor allem die wirtschaftlich enge Zusammenarbeit mit Italien – zurecht, wie der aktuelle Blick auf das südeuropäische Land belegt. Denn Italien hat nach Griechenland inzwischen den zweitgrößten Schuldenberg Europas. Entsprechend wurde die Bonität bereits von S&P, Fitch und Moody´s herabgestuft – Tendenz weiter sinkend. In einer ähnlichen Abwärtsspirale bewegt sich Spanien. Erst kürzlich senkte Moody´s das Rating um zwei Stufen. Das beurteilen auch die Fitch und S&P ähnlich, sie führen vor allem die hochverschuldeten Banken und Konzerne sowie das schwache Wirtschaftswachstum als Indikator für den negativen Ausblick an. Noch nicht ganz auf Ramschniveau – aber kurz davor – bewegt sich Zypern. Insbesondere das Griechenland-Engagement zyprischer Banken wird kritisch bewertet.

Ramsch-Status

Das wundert natürlich niemanden: Griechenland wurde schließlich bereits im Juli als erstes EU-Land zur Ramschware. Auch der weitere Ausblick zeigt sich sehr trüb. So wurde letzte Woche bekannt, dass die griechischen Staatsschulden trotz neuer Regierung unvermindert weiter steigen. Nach Griechenland folgten Portugal und Irland in den Ramschstatus – die Wahrscheinlichkeit, dass beide Länder weitere Finanzhilfen benötigen, wird als sehr hoch eingeschätzt. Auch Ungarn wurde vor dem Hintergrund seiner horrenden Staatsverschuldung herabgestuft und gilt nicht länger als Investment-Land. Die Ratingagenturen, darunter u.a. Moody´s, bewerten auch den Ausblick für Ungarn als negativ, da kaum Fortschritte bei der Umsetzung der Strukturreformen zu beobachten seien.

Zusammenfassend stellt sich mit dieser Übersicht die Frage, ob die Ratingagenturen inzwischen eine längst fällige Kurskorrektur eingeschlagen haben und endlich anfangen, ihre Aufgabe ernst zu nehmen. Oder ist das Ganze lediglich ein engagiertes Schauspiel, um Sündenböcke für das nicht enden wollende Marktchaos zu benennen?

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