Hamburg, 10. September. Jürgen Stark, seines Zeichens Chefvolkswirt der EZB, tritt überraschend zurück. Spätestens zum Ende des Jahres scheidet er aus seinem Amt, wie am Freitag bekannt wurde. Hintergrund ist offenbar der Streit um die immer stärker ausufernden Anleihenkäufe durch die EZB. Stark gilt als großer Kritiker dieser Maßnahme. Offiziell hieß es jedoch, der Rücktritt erfolge aus „persönlichen Gründen“. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Geldpolitik der EZB war im Februar dieses Jahres bereits der damalige Bundesbank-Chef Axel Weber zurückgetreten. Wie Weber gilt auch Stark als geldpolitischer „Falke“. Bis ein Nachfolger für das Amt gefunden ist, bleibt der ehemalige Bundesbank-Vizepräsident im Amt. Seit Juni 2006 sitzt dieser im Direktorium der Europäischen Zentralbank, das unter anderem für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Raum zuständig ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte das Eintreten Starks für eine „Stabilitätskultur“. „Ich danke Jürgen Stark dafür, dass er sich in allen seinen Funktionen, ganz besonders aber als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, jahrelang konsequent und erfolgreich für eine stabile europäische Gemeinschaftswährung eingesetzt hat“, erklärte die deutsche Kanzlerin am Freitagabend in Berlin. „Er steht damit für eine Stabilitätskultur, die den Interessen der Bürger in der Eurozone dient und der sich die Bundesregierung dauerhaft verpflichtet fühlt.“.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bedauerte den Rücktritt von Stark. „Die Bundesregierung nimmt das mit Bedauern und mit Respekt zur Kenntnis“, sagte Schäuble am Rande des G7-Treffens am Freitag in Marseille. Er kündigte zugleich an, dass Deutschland einen „guten Vorschlag“ für die Nachfolge Starks im EZB-Direktorium unterbreiten werde. Namen nannte Schäuble allerdings nicht.

An den Aktienmärkten sorgte die Nachricht über den Rücktritt Starks für deutliche Abschläge. Mit einem Minus von über 4 % auf 5189,93 Punkte ging der Leitindex Dax aus dem Handel.

Nachfolger bei der EZB soll nach dpa-Informationen Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel bereitet offenbr einen entsprechenden Vorschlag vor. Offiziell werden die Mitglieder des EZB-Direktoriums vom Europäischen Rat ernannt. Asmussen gilt unter Experten als geldpolitische „Taube“.

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