Hamburg, 01. Juli. Vor fünf Jahren elektrisierte die Fußball-WM der Herren ganz Deutschland. Gleichwohl war der volkswirtschaftliche Nutzen kaum messbar. Auch die am vergangenen Sonntag begonnene Frauenfußball-WM begann euphorisch, zumindest in den Augen der übertragenden Fernsehstation: 15 Mio. Zuschauer fieberten mit beim deutschen Auftaktsieg gegen Kanada. Im Berliner Olympiastadion waren über 73.000 Fans live mit dabei – eine Rekordkulisse für Frauenfußball in Europa. Dennoch wird vermutlich auch diese WM keine starken Impulse für die Volkswirtschaft liefern.

Gerade im Vergleich zur WM der Männer 2006 deutet nichts auf einen sportlichen Konjunktur-Kick. Im Vorfeld kam es bspw. zu keinen wachstumsfördernden Infrastrukturmaßnahmen, Stadien wurden weder umgebaut noch neu errichtet. Auch die Tourismus-Branche erwartet weniger Impulse. Grund: Die Ticketnachfrage für die Spiele speist sich vor allem aus heimischen Quellen. Es gibt nur wenige Fans, die für die Spiele der Damen extra aus dem Ausland anreisen. Viele Hotelbetten bleiben daher leer. Darunter leidet nicht zuletzt auch das Gastgewerbe. Vor fünf Jahren haben die euphorisierten Fußballtouristen hingegen rund um die WM-Spiele gleich einen Urlaub in Deutschland angeschlossen. So waren für die Weltmeisterschaft der Männer 1,4 Millionen Touristen aus dem Ausland angereist und haben einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro eingebracht. Insgesamt entstanden damals 60.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Lassen sich die konjunkturellen Auswirkungen also doch in Zahlen ausdrücken?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt sich in dieser Frage eher skeptisch. Seiner Ansicht nach hat eine Fußballweltmeisterschaft, egal ob männlich oder weiblich, auf einen möglichen Wirtschaftsaufschwung so gut wie keinen Einfluss. Eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen demnach, dass die von Veranstaltern regelmäßig versprochenen Wachstumseffekte nicht eintreten.

Inwiefern eine Fußball-WM, ganz losgelöst vom Geschlecht, tatsächlich konjunkturellen Einfluss nimmt, bleibt somit weiter umstritten. Wenn das Ergebnis eines solchen Ereignisses jedoch Menschen sind, die unabhängig von Alter und Hautfarbe miteinander feiern und ein besseres Verständnis für einander entwickeln, rücken wirtschaftliche Überlegungen sicherlich schnell in den Hintergrund. In diesem Fall profitieren alle Beteiligten von einer Win-win-Situation.

Dieser Artikel ist in das Archiv verschoben worden. Falls Sie Fragen dazu haben, melden Sie sich gern über Kontakt bei faktwert.de – wir helfen Ihnen weiter.
Allgemeiner Risikohinweis für Finanzprodukte