Regensburg, 30. August. Indiens Pharmamarkt wächst jährlich um 13-15%. Bereits 33% des Jahresumsatzes der zehn größten indischen Firmen von 8,6 Mrd. USD wurden 2010 in den USA und Europa generiert – Tendenz weiter steigend. Indien steigt so zu einem der Hauptlieferanten günstiger und qualitativ hochwertiger Medikamente weltweit auf. Dabei liegt der Schwerpunkt der indischen Pharmaindustrie klar auf generisch hergestellten Arzneien. Die stetig steigende Generika-Nachfrage führt in Indien nach Angaben von Lacuna-Fondsmanager Adamant Biomedical Investments zu einem Anstieg des Pharmamarkt-Volumens von derzeit 11 Mrd. USD auf gut 44 Mrd. USD im Jahr 2020. Teil 2 der Informationsreihe „Gesundheitsmarkt in den Schwellenländern“ beleuchtet vor diesem Hintergrund das Entwicklungspotenzial indischer Generika-Unternehmen aus Investorensicht.

Healthcare in Indien – Entwicklungen und Prognosen

„Eines der wesentlichen Themen auch in Indien ist Demografie“, so Lacuna-Vorstand Thomas Hartauer, der das aktuelle Marktgeschehen als Initiator des Lacuna – Adamant Asia Pacific Health stets genau beobachtet. 7,5% der Bevölkerung waren im Jahr 2000 bereits über 60 Jahre alt, bis 2050 steigt diese Zahl Prognosen der UN zufolge auf über 20%. Damit liegt Indien zwar unter dem weltweiten Durchschnitt von 21,4% (Prognose für 2020), verzeichnet im Gegensatz zu den Industriestaaten jedoch nahezu eine Verdreifachung dieses Anteils. Verstärkt auftretende Alterskrankheiten lassen daher einen erhöhten Bedarf nach medizinisch-ärztlicher Versorgung entstehen. „Bislang aber weist Indien eine schwach ausgeprägte Healthcare-Infrastruktur auf“, erläutert Thomas Hartauer. So trägt die indische Bevölkerung etwa 80% ihrer Gesundheitsausgaben selbst. Auch in der Zahl der Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner spiegelt sich der schlechte Zustand der Gesundheitsversorgung wider, in Indien liegt dieser Faktor nicht einmal bei 1 – im Gegensatz zu 8,3 Betten pro 1.000 Köpfe in Deutschland. Ein ähnliches Bild ergibt der Blick auf Indiens Ärztelandschaft. Pro 1.000 Einwohner sind hier statistisch gesehen 0,6 Ärzte zuständig, in Deutschland sind es 3,4. „Indien arbeitet am weiteren Ausbau der Gesundheitsversorgung“, weiß Thomas Hartauer. Diese Entwicklung legt neben den zweistellig wachsenden Gesundheitsausgaben auch der kontinuierliche Anstieg des Bruttosozialprodukts nahe: 2010 um 8,8%, für 2011 werden 9,0% erwartet. „Da in Indien auch der Faktor Wohlstandskrankheiten zunehmend an Bedeutung gewinnt, braucht das Land die verbesserte Versorgung in der Zukunft auch dringend“, ergänzt Herr Hartauer. „Ein Beispiel: Bis zum Jahr 2030 wird Indien weltweit die meisten Diabetiker aufweisen und lässt mit prognostizierten 80 Millionen Diabetes-Erkrankungen die USA weit hinter sich. Klar, dass hier auch eine verstärkte medizinische Versorgung gefragt ist.“ Zu gut 95% entfällt die medikamentöse Behandlung in Indien dabei auf generisch hergestellte Arzneien. „Hier liegt Indiens Expertise, die auch für Investoren ein interessantes Umfeld darstellt“, so Hartauer weiter.

Investitionen in Indiens Gesundheitssektor

20% aller weltweit hergestellten Generika stammen bereits aus Indien, so aktuelle Daten von PWC, die ebenfalls mit einem weiteren Wachstum des Marktsegments rechnen. „Bis 2020 erwarten wir eine Steigerung des Exportvolumens von aktuell etwa 8 Mrd. USD auf ca. 20 Mrd. USD“, sagt Thomas Hartauer. Auch die Umsatzzahlen der größten zehn indischen Firmen bestätigen diese Entwicklung. Entfielen im Jahr 2001 noch knapp 48% des Jahresumsatzes auf den indischen Markt und nur etwa 9% auf die USA und die EU, zeigt sich aktuell ein deutlich gewandeltes Bild. Mit 33%-igem Anteil am Jahresumsatz 2010 sind die USA und Europa zum Hauptabsatzmarkt Indiens geworden. Ihre Position können indische Generika-Unternehmen insbesondere dadurch stärken, dass sie Allianzen mit global aufgestellten Pharmakonzernen eingehen, um so Vertrieb- und Marketingaktivitäten leisten zu können. Auch vor dem Hintergrund des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Indien erwartet Thomas Hartauer keinen Einbruch des indischen Pharmamarktes: „Indien hat beispielsweise die von der EU geforderte Datenexklusivität abgelehnt, so dass Generika-Produzenten weiter auf die bereits erforschten Daten der Pharmafirmen zurückgreifen können – einer der Gründe, aus denen generische Arzneien überhaupt so günstig sind.“ Wie viel günstiger Medikamente in Indien sind, zeigt ein Preisvergleich: Kostet beispielsweise eine Tagesdosis der Arznei Lipitor (Patentrechte bei Pfizer), produziert von Dr. Reddy’s, in den USA 3,3 USD, liegt der Preis für das gleiche Produkt in Indien dagegen bei 0,2 USD. „Indien wird daher für die globale Pharmaindustrie weiter an Bedeutung gewinnen – mit entsprechend attraktiven Chancen für Investoren“, resümiert Thomas Hartauer.

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