Hamburg, 26. Mai. Gesundheit wird immer wichtiger. Diese Entwicklung belegen nicht zuletzt weltweit steigende Gesundheitskosten. Doch besonders strukturelle Umwälzungen werden einen enormen Einfluss auf die Wachstumsrate dieser Branche haben – jenseits von Konjunkturpeaks und externen Faktoren. Nun muss es sowohl für Anleger als auch für Produktinitiatoren darum gehen, diese Chancen gezielt zu nutzen. Im Gespräch erläutert Thomas Hartauer die Chancen und Risiken der Healthcare-Branche. Als Initiator mehrerer Gesundheitsfonds analysiert Lacuna diesen Markt bereits seit 1999.

Herr Hartauer, wo sehen Sie das Wachstumspotenzial der Healthcare-Branche?

Gesamtheitlich betrachtet, ergibt sich allein aus der gesellschaftlich-demografischen Entwicklung hohes Wachstumspotenzial für den Sektor. Dabei setzen wir hier nicht auf Spekulationen oder Vermutungen, sondern greifen auf Fakten und Zahlen zurück, die genau das untermauern. Laut einer aktuellen Studie von Roland Berger steigt das Durchschnitts-alter der Weltbevölkerung allein bis 2030 um mehr als 5 Jahre an. Zudem erhöht sich die Gesamtpopulation im gleichen Zeitraum um 20%.

Diese Entwicklungen zeigen für den Bereich Gesundheit deutlich erhöhte Ausgaben an. Allein in den USA betrug der Anteil der Gesundheitskosten im Jahr 2008 noch 16% des Bruttosozialprodukts, bis zum Jahr 2015 wird ein Anteil von 18-20% prognostiziert. Ein besonders signifikantes Ansteigen der Gesundheitsausgaben zwischen 2008 und 2013 zeigt sich allerdings in den Emerging Markets, beispielsweise in China und Indien. Während hier die USA bei einem jährlichen Anstieg der Kosten von etwa 5% liegen, belegt China mit 17% den Spitzenplatz. Davon profitieren nicht nur lokale Unternehmen, sondern natürlich auch Akteure, die von außen die Chance erkennen und in diese Märkte investieren. Auch die Gesundheitsreform in China hat – ähnlich wie in den USA – noch nicht ihr gesamtes Potenzial entfaltet. Daraus ergeben sich noch große Entwicklungschancen für die gesamte Healthcare-Branche.

Könnten Sie das bitte genauer erläutern?

Stellen Sie sich das Ganze einmal in Zahlen vor: Obamas Gesundheitsreform beeinflusst den gesamten US-Healthcare-Sektor. Besonders für den US-Biotech-Markt, den größten weltweit, ergibt sich langfristiges Potenzial. Im Zuge der Reform werden über 30 Mio. US-Bürger krankenversichert. Steigenden Beiträgen und Kosten begegnet Obama mit einer Innovationsoffensive: Fortschritte, die zu Kostensenkungen führen, werden stärker gefördert. Hier punktet einerseits der Generika-Sektor, der die bestehende Medikamenten-versorgung kostengünstig ermöglicht.

Andererseits ist ein weiterer Profiteur der Biotech-Sektor mit seiner Innovationskraft, der mehr Krankheiten behandelbar macht. Abgesehen davon, steigt der Bedarf an medizinischen Geräten, Techniken, Verfahren und Produkten deutlich an. Ähnliches zeichnet sich in China ab. Im Zuge der Reform wurden bereits 1.000 von etwa 2.000 neuen Krankenhäusern gebaut, bestehende wurden zu einem Großteil kernsaniert und modernisiert. Auch der Bedarf an Medikamenten steigt, da erstmals die Kosten für Medikamente von Krankenkassen erstattet und diese somit für die breite Bevölkerung zugänglich werden. Positive Wachstumszahlen in Forschung und Produktion sind das Ergebnis.

Aufgrund dieser bevorstehenden Umwälzungen wird sich China wohl in den nächsten 3 – 5 Jahren zu einem der wichtigsten Märkte in der Healthcare-Branche entwickeln.

Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für den Gesundheitsmarkt?

Durch die Konjunkturpakete in China und den USA zeichnet sich selbstverständlich ein hohes Gewinnmargenpotenzial ab, beispielsweise für die Sektoren Medtech und Biotech, die an der Entwicklung und Produktion neuer Medikamente und medizinischer Geräte beteiligt sind. Vor allem Mid Caps können diesen Aufschwung für sich nutzen. Auch für Apotheken, Ärzte, Labore und Krankenhäuser lassen sich hohe Gewinnzuwächse erwarten. Große Chancen werden sich in den nächsten Jahren darüber hinaus im Generika-Sektor bieten. Hintergrund ist das Auslaufen vieler Medikamenten-Patente, die schließlich durch Generika ersetzt werden. Darüber hinaus gewährleisten Generika eine kosten-günstige Medikamentenversorgung auch in breiten Gesellschaftsstrukturen wie beispielsweise in China.

An dieser Stelle zeigt sich eine Schattenseite der Healthcare-Branche, denn die klassische Pharma-Industrie wird es besonders hart treffen. Auch Versicherungsanbieter zählen tendenziell zu den Verlierern dieser Entwicklung in den USA, da sie durch die Reform der Krankenversicherung unter einen verstärkten Kostendruck geraten werden.

Wo positioniert sich hier die Lacuna AG?

Wir sind mit unseren Produkten so aufgestellt, dass wir auch von den Gesundheitsreformen und den damit verbundenen Wachstumschancen direkt profitieren. Besonderes Investitionsengagement zeigen wir beispielsweise im asiatisch-pazifischen Raum mit unserem Lacuna – Adamant Asia Pacific Health Fonds. Hier nutzen wir die Entwicklungschancen des gesamten Healthcare-Sektors dieser Region. Darüber hinaus spielen für uns auch der europäische und der US-amerikanische Markt eine wichtige Rolle, was in den Produkten Lacuna – Adamant Global Medtech, Lacuna – Adamant Global Generika und Lacuna – Biotech umgesetzt wird. Auf diese Art sind wir breit aufgestellt und nutzen in jedem Fonds gezielt die Wachstumssektoren des Gesundheitsmarkts. Pharma aus den westlichen Ländern hingegen schließen wir aus unserem Portfolio aus.

Wo zeigt sich besonderes Gewinnpotenzial?

Aus meiner Sicht gibt es besonders in der Medizinaltechnologie starke Wachstumsbereiche. Themen wie Zahnmedizin oder auch Augenheilkunde sind hier weltweit klar auf dem Vormarsch. Sehen Sie sich einmal das Feld der Zahnimplantate an: 40% der Weltbevölkerung fehlen Zähne, 6-10% haben sogar einen zahnlosen Kiefer. Zahnimplantate kommen so immer stärker zum Einsatz und verdrängen Brücken und Gebisse. Allein für dieses spezielle Themengebiet wird ein 12-15%-iges Wachstum prognostiziert. Ähnlich gute Chancen bietet das Thema Augenheilkunde. Hier sind über 60% der Bevölkerung betroffen – allein 40% werden eine Kataraktoperation benötigen, das bezeichnet die Entfernung des grauen Stars. Würde die Augenheilkunde voll ausgenutzt, könnten 75% der weltweiten Erblindungen vermieden werden. Eine Aufzählung, die eines veranschaulichen soll: Augenheilkunde ist ein äußerst interessanter Markt mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 8-10% jährlich. Weiterhin lassen sich auch rund um das Thema Diabetes – von der Prävention über die Diagnose bis hin zu Therapieverfahren – deutliche Chancen ablesen. Denn weltweit steigt die Anzahl der an Diabetes Erkrankten signifikant, besonders in Indien und China. Das Feld der Möglichkeiten ist groß und die Risiken sind beherrschbar, vorausgesetzt man beschäftigt sich intensiv mit den Entwicklungen des Marktes. Schlussendlich lässt dieser kleine Ausschnitt bereits erahnen, welches Potenzial sich hier für den gesamten Gesundheits-markt in den nächsten Jahren ergeben wird.