Hamburg, 19. Mai. Eines der interessantesten Sportprojekte des Landes entsteht gerade in Wilhelmsburg. Dort arbeitet das Team rund um die ehemaligen Nationalspieler Pascal Roller und Marvin Willoughby tatkräftig daran, professionellen Basketballsport in der Hansestadt zu realisieren. Die Hamburg Towers planen für die Saison 2014/15 den Start in der zweiten Bundesliga, der sogenannten ProA. Spielstätte des neuen Teams wird die ehemalige Blumenhalle der Internationalen Gartenschau sein. Im Interview erklärt Pascal Roller, Geschäftsführender Gesellschafter Hamburg Towers GmbH, warum es sich bei den Hamburg Towers alles andere als um einen Retortenklub handelt.

Redaktion: Aufgrund eines noch fehlenden Hauptsponsors haben sich die Hamburg Towers nicht um eine Bundesliga-Lizenz, sondern „nur“ um eine Startberechtigung für die 2. Liga, die ProA, beworben. Wie ist hier der aktuelle Status und wie zuversichtlich sind Sie, eine solche Lizenz zu erhalten?

Roller: Die Gründe für eine Bewerbung für die ProA waren vielfältig und nicht primär aus monetären Gesichtspunkten heraus begründet. So glauben wir daran, dass dieser Schritt der nachhaltigere Ansatz für die langfristige Etablierung der Hamburg Towers ist. Aktuell gibt es verschiedene Optionen, eine mögliche Lizenz zu erhalten. Hier sind wir mit allen nötigen/verantwortlichen Institutionen in Gesprächen. Welches Szenario letztendlich uns den Weg ebnen wird, zeigen voraussichtlich die nächsten Wochen.

Hamburg Towers, Pascal Roller

Pascal Roller, Geschäftsführender Gesellschafter der Hamburg Towers GmbH

Redaktion: Sollten Sie die Lizenz nicht erhalten, welche anderen Optionen hätte der Verein, um doch noch am Spielbetrieb in der ProA teilzunehmen?

Roller: Ein Lizenzerhalt ist zwingende Voraussetzung zur Teilnahme am Spielbetrieb!

Redaktion: Im Stadtteil Wilhelmsburg entsteht aktuell die Spielstätte der Towers mit einer Kapazität von mehr als 3.000 Zuschauern. Hierfür wird die ehemalige Blumenhalle der internationalen Gartenschau umgebaut. Wie schreiten die Arbeiten hier voran?

Roller: Die Bauarbeiten schreiten sehr gut voran – jeden Tag werden neue Fertigbauteile geliefert und eingebaut, so dass jede Woche vor Ort ein neues Bild von der Halle entsteht. Den aktuellen Baufortschritt kann man seit kurzem auch auf unserer Website unter: http://www.hamburgtowers.de/arena/webcam.html verfolgen.

Redaktion: Vor wenigen Jahren hat der FC Bayern Basketball seinen rasanten Aufstieg ebenfalls in der ProA gestartet. In dieser Saison gingen die Bayern als bestes Team der Bundesliga in die Playoffs und erreichten in der Euroleague, vergleichbar mit der Champions League im Fußball, die Runde der letzten 16. Ist eine ähnliche Erfolgsgeschichte für die Hamburg Towers zu erwarten oder sind die Voraussetzungen, Stichwort Sponsoren, grundsätzlich andere?

Roller: Die Ausgangslagen sind komplett verschieden. Weder das Budget noch die  Startvoraussetzungen lassen sich miteinander vergleichen. Der FC Bayern Basketball verfügte bereits in der ProA über ein überdurchschnittliches, erstklassiges Team und einen sehr hohen Etat. Bei uns ist die Planung eines Profi-Teams aus der jahrelangen, bereits sehr erfolgreichen Jugend- und Nachwuchsarbeit gewachsen sowie dem Wunsch, unseren regionalen Talenten zukünftig eine Perspektive in Hamburg zu bieten. Dies war bisher leider nicht der Fall – Talente wie z.B. Ismet Akpinar mussten bisher die Stadt verlassen, um eine Profi-Karriere anzustreben, Norddeutschland ist sozusagen noch ein weißer Fleck auf der Landkarte des Profi-Basketballs. Das möchten wir ändern – die Voraussetzungen sind durch die jahrelange Vorarbeit und die ideale Infrastruktur in Wilhelmsburg mit der neuen Basketball-Halle besser, als jemals zuvor. Bei den Sponsoren setzen wir auf ein breites Netz aus vielen verschiedenen Unternehmen, die uns an den Start begleiten – unser Weg ist ein anderer Weg als der, den die meisten Profi-Vereine gehen. Ein organisches, nachwuchsorientiertes Wachstum ist uns besonders wichtig und wir bieten Unternehmen eine besondere Möglichkeit, Partner dieses nachhaltigen Ansatzes zu werden.

Redaktion: Viele Menschen, die sich nur am Rande mit dem Thema Basketball bzw. den Hamburg Towers beschäftigen, könnten zu dem Eindruck gelangen, dass es sich lediglich um einen Retortenclub handelt. Was halten Sie diesen Kritikern entgegen?

Logo Hamburg Towers

Die Hamburg Towers planen den Start in der ProA in der Saison 2014/15

Roller: Die Hamburg Towers werden alles andere als ein Retortenclub sein. Seit mehreren Jahren stellt unser Team die Weichen für einen möglichen Start im Profi-Bereich. Dazu gibt es wie schon angedeutet seit langer Zeit eine sehr erfolgreiche Jugend- und Nachwuchsarbeit in Hamburg – Marvin Willoughby trainiert so z.B. auch die J- und NBBL Mannschaften – eine Profi-Mannschaft würde sozusagen ein Leuchtturm für dieses breite Engagement sein und auch dem talentierten Nachwuchs eine echte Zukunfts-Perspektive anbieten.

Redaktion: Mit dem HSV, dem HSV Handball und den Hamburg Freezers gibt es in der Hansestadt bereits eine Reihe etablierter Profivereine, die um die Zuschauergunst buhlen. Gibt es vor diesem Hintergrund überhaupt noch Platz für einen Basketballverein?

Roller: Auf jeden Fall! Basketball erfreut sich einer immer stärker werdenden Beliebtheit. Auch die Zielgruppe unterscheidet sich von den genannten anderen Sportarten wesentlich. Mit unserer Geschichte und dem nachhaltigen Ansatz unterscheiden wir uns zudem recht stark von anderen Vereinen.

Redaktion: Der sportliche Erfolg des Clubs wird entscheidend vom Kader abhängen. Mit welchem Etat planen die Hamburg Towers, sollte es mit einem Start in der ProA klappen?

Roller: Die Sponsorenverträge können leider erst nach dem Erhalt einer Lizenz geschlossen werden, auch wenn natürlich bereits viele gute Gespräche stattgefunden haben. Für die erste Saison halten wir einen Etat im Ligadurchschnitt für realistisch.

Redaktion: Welchen Stellenwert hat die Jugendarbeit für den Verein?

Roller: Einen besonders hohen; wie schon beschrieben, durch die bereits existierende, intensive Nachwuchsarbeit und die bestehenden J- und NBBL-Mannschaften in Hamburg. Darüber hinaus fördert die angliederte InselAkademie sehr stark den regionalen Schul- und Breitensport und bietet verschiedene soziale Angebote für Kinder und Jungendliche aus der Region.

Halle Hamburg Towers

Die ehemalige Blumenhalle der internationalen Gartenschau wird zur neuen Spielstätte der Hamburg Towers

Redaktion: Wie lauten die mittelfristigen Ziele des Vereins?

Roller: Mittelfristig verfolgen wir natürlich die Vision eines sportlichen Aufstiegs in die Beko BBL – aber mit einem gesunden, organischem Wachstum.

Redaktion: Für welche Werte stehen die Hamburg Towers bzw. sollen sie zukünftig stehen?

Roller: Wir stehen für den etwas anderen sportlichen Weg und ein ausgeprägtes Bewusstsein für eine nachhaltige Jugend- und Talentförderung. Das soll sich auch in unserer Kaderzusammenstellung wiederfinden. Zusätzlich möchten wir die norddeutsche Region endlich auch zur Basketball-Metropole machen – die regionale Verankerung ist uns sehr wichtig. Dies ist auch ein Grund dafür, dass wir die Namensrechte an unserem Verein nicht veräußern werden, auch wenn dies finanzielle Einbußen bedeutet.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Fotos: Pressefotos (c) Hamburg Towers

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