Redaktion: Der HSV Handball hat turbulente Monate hinter sich. Quasi in letzter Sekunde konnte sich das Team die Lizenz für die erste Handball-Bundesliga sichern. Wichtige Leistungsträger wie Duvnjak oder Canellas haben den Verein verlassen. Im Gegenzug konnten jedoch – aufgrund der finanziellen Situation – keine namhaften Spieler verpflichtet werden. Mit welchen sportlichen Zielen geht der Verein in die neue Saison?

In jeder neuen Situation steckt auch eine Chance. Natürlich haben wir uns durch die namhaften Abgänge sportlich nicht verstärkt, aber nun können Spieler, die in der zweiten Reihe standen, zeigen was in ihnen steckt. Der HSV hat darüber hinaus seit Jahren eine exzellente Jugendarbeit, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Nun ist es an der Zeit diese auch zu nutzen. Als Ziel hat sich das gesamte Team gesteckt die Fans zu begeistern.

Redaktion: Laut dem Portal „Handballworld“ lag der Etat des HSV Handball im letzten Jahr bei 8,5 Mio. Euro. Mit welchem Budget planen Sie in der Saison 2014/15?

Zu diesem Thema kann ich aktuell keine werthaltigen Zahlen nennen, da wir durch die Schwierigkeiten im Sommer noch in der Erstellung von Zahlen, Daten und Fakten sind.

Redaktion: Die Situation mit HSV-Präsident Andreas Rudolph hat deutlich gemacht, wie schnell ein Verein in Schieflage geraten kann, wenn sich der größte Geldgeber zurückzieht. Welche Lehren zieht der HSV Handball aus den Ereignissen? Werden Sie sich künftig im finanziellen Bereich breiter aufstellen?

An dieser Stelle möchte ich als erstes mal klar stellen, wie viel der HSV und seine Fans der Familie Rudolph zu verdanken haben. Die Familie Rudolph ist seit nun mehr 10 Jahren ein verlässlicher Partner, ohne den die Erfolge des HSV nicht möglich gewesen wären. Darüber hinaus wird es für jedes Unternehmen bzw. jeden Verein schwer, sollte der Hauptsponsor seinen Rücktritt ankündigen.

Christian Fitzek (Trainer, rechts) mit dem zweiten Geschäftsführer Sven Fahrenkrug (Finanzen, links)

Christian Fitzek (Geschäftsführer, rechts) mit Sven Fahrenkrug (zweiter Geschäftsführer, links)

Redaktion: Wie lauten die wirtschaftlichen Ziele des HSV Handball für die kommende Spielzeit?

Wir haben als große Aufgabe ein Jahr der Konsolidierung vor uns. Wir wollen in dieser Saison nach unternehmerischen Gesichtspunkten handeln und dem HSV ein gesundes Fundament bauen.

Redaktion: Durch den Verlust wichtiger Leistungsträger steht der HSV – nach Platz vier in der abgelaufenen Spielzeit – vermeintlich vor einer Saison im Mittelmaß. Drohen dem HSV sinkende Zuschauerzahlen und damit verbunden rückläufige Einnahmen?

Wir haben viele Gespräche mit Medienvertretern, Sponsoren und Fans geführt. An diesen Stellen gab es eine einheitliche Meinung, dass nicht die Platzierung oder einzelne Siege über die Sympathie oder Zuschauerzahlen entscheidet, sondern das gesamte Auftreten des Vereins und der Mannschaft. Die Mannschaft muss sich für die Fans zerreißen und die Verantwortlichen nachvollziehbare Entscheidungen treffen, dann werden wir an die Zahlen der letzten Jahre anschließen können.

Redaktion: Die Füchse Berlin setzen seit Jahren verstärkt auf die eigene Jugend, anstatt teure Starspieler zu verpflichten. Ist dies ein Modell, das auch für Hamburg funktionieren könnte? Welchen Stellenwert hat die Jugendarbeit für den HSV Handball?

Zum einen darf man bei den Füchsen Berlin nicht vergessen, dass auch sie Stars in ihren Reihen haben. Ein Silvio Heinevetter oder Iker Romero spielen in Berlin nicht nur, weil sie die Bundshauptstadt so toll finden. Aber sie haben natürlich Recht, die Füchse Berlin sind der Verein in Deutschland der die Jugendarbeit am effizientesten umsetzt und damit auch Erfolg hat. Bob Hannings Arbeit sollte vielen Vereinen als Vorbild dienen. Der HSV ist bereits mehrfach für seine gute Jugendarbeit ausgezeichnet worden. Wir müssen es zukünftig schaffen, diesen Bereich stärker für den Profibereich zu nutzen. Unser Trainer Christian Gaudin hat aktuell drei Spieler aus der U23 in den Profikader gezogen und im ersten Bundesligaspiel in Gummersbach ist mit Tim Oliver Brauer der erste Spieler auch zum Einsatz gekommen.

Redaktion: Welche Bedeutung hat der HSV Handball bzw. Bundesliga-Handball für die Sportstadt Hamburg?

Die Mannschaft 2014/2015

Die Mannschaft 2014/2015

Hamburg als schönste Stadt der Welt braucht den HSV Handball und der HSV Handball braucht Hamburg. Diese Stadt benötigt neben den anderen Top Sportarten auch eine Spitzenmannschaft im Handball, um neben dem Attribut die „schönste“ auch die „sportlichste“ Stadt der Welt zu sein.

Redaktion: Für welche Werte steht der HSV Handball?

Authentizität, Vertrauen und Leidenschaft.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Fotos: Pressefotos HSV (c) HSV