Hamburg, 16. Juni. Auch wenn Basketball im Vergleich zum Fußball in Deutschland eher ein Nischendasein fristet, hat der Sport nicht zuletzt durch den Erfolg des NBA-Profis Dirk Nowitzki hierzulande eine Reihe von Anhängern gewonnen. Die Basketball-Bundesliga (BBL) verzeichnet seit Jahren sukzessive höhere Zuschauerzahlen. Bis 2020 hat sich die BBL das Ziel gesetzt, die beste Basketball-Liga Europas zu werden. Im Interview erklärt Dirk Kaiser, Leitung Kommunikation und Medien bei der BBL, wie dies gelingen soll und wie wichtig dabei das Internet und eine Free-TV-Präsenz sind.

Redaktion: In der abgelaufenen Saison lockten die Vereine der BBL insgesamt rund 1,5 Mio. Menschen in die Hallen. Pro Team lag der Zuschauerschnitt somit bei rund 4.500. Warum ist Basketball in Deutschland noch immer nicht massentauglich?

Dirk Kaiser: Zunächst einmal lässt sich konstatieren, dass die Auslastungsquote in den Arenen in der vergangenen Saison bei über 85 Prozent lag und dass dies einen formidablen Wert darstellt. Dass wir in diesem Bereich bereits einen hohen Sättigungsgrad und eine hohe Fan-Bindung erreicht haben, dürfte unstrittig sein. Gleichwohl werden wir weiter hart dafür arbeiten, auch diejenigen für Basketball zu begeistern, die bislang mit der Sportart noch nicht oder nur sehr wenig in Berührung gekommen sind. Basketball, das zeigt uns die Marktforschung, verfügt über ein großes Potenzial. Wie es dann um die Massentauglichkeit, deren Begrifflichkeit Definitionssache ist, bestellt sein wird, wird sich weisen.

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In der abgelaufenen Saison lag die Auslastungsquote in den Arenen bei über 85 Prozent

Redaktion: Nach eigenen Angaben werden die 18 Klubs der BBL die laufende Saison mit einem Gesamtumsatz von mehr als 88 Mio. Euro abschließen. Können Sie etwas über die Verteilung sagen? Wird das Ergebnis nicht wesentlich durch die Schwergewichte Alba Berlin und Bayern München getragen?

Dirk Kaiser: Auch ohne die von Ihnen genannten Schwergewichte ist es in den vergangenen Jahren zu einer kontinuierlichen Steigerung des Gesamtumsatzes gekommen. Nicht zuletzt, weil sich ein positiver Wettbewerb entwickelt hat. München und Berlin sind zwar wichtige Treiber, aber die anderen Klubs haben ebenfalls ihren Beitrag dazu geleistet.

Redaktion: Wie wichtig ist der Erfolg der Nationalmannschaft für die weitere Entwicklung der BBL?

Dirk Kaiser: Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild einer jeden Sportart und steht somit unter besonderer Beobachtung. Insofern können Erfolge eine Entwicklung zum Teil sehr erheblich beflügeln. Auf der anderen Seite haben wir bislang noch nicht feststellen können, dass ein eher schwächeres Nationalmannschafts-Ergebnis Einfluss auf die Liga-Entwicklung gehabt hätte.

Redaktion: In den vergangenen Jahren gab es bei den Vereinen häufig das Phänomen zu beobachten, dass Spieler nur für ein Jahr verpflichtet wurden. Am Ende der Saison wurde dann ein Großteil der Mannschaft ausgewechselt. Echte Identifikationsfiguren für die Fans entstehen so nicht. Aber sind solche Figuren nicht von entscheidender Bedeutung für die Fanbindung und vollere Hallen?

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Bis 2020 will die BBL die erfolgreichste Basketball-Liga Europas sein (c) faktwert

Dirk Kaiser: In der Tat wäre es wünschenswert, wenn sich Spieler länger an einen Klub binden würden – unabhängig davon, ob diese über einen deutschen oder ausländischen Pass verfügen. Die Zeiten, in denen Drei-, Vier- oder Fünf-Jahres-Kontrakte Standard waren, sind jedoch spätestens seit dem Bosman-Urteil passé – auch die Protagonisten auf dem Parkett wollen sich mitunter nicht mehr so lange an einen Klub binden. Trotz der veränderten Rahmenbedingungen ist unseren Klubs sehr daran gelegen, Identifikationsfiguren aufzubauen und über einen längeren Zeitraum zu halten – das stimmt uns insgesamt sehr zuversichtlich.

Redaktion: Ein wichtiger Eckpfeiler, um Basketball in Deutschland bekannter zu machen, ist die Fernsehpräsenz. Der aktuelle Vertrag mit Sport1 läuft Ende der Saison aus. Wie wichtig ist für die BBL ein Platz im Free-TV und welche Rolle spielt das Internet in der Gesamtstrategie der Liga?

Dirk Kaiser: Da wir über eine sehr junge und internet-affine Zielgruppe verfügen, sind das Internet und die sozialen Netzwerke wie Facebook, Google+ oder Twitter sehr wichtige Kommunikations-Kanäle. In Kombination mit einer Free-TV-Präsenz, die uns hohe Reichweiten beschert, wäre dies ein aus unserer Sicht idealer Mix.

Redaktion: Wie lauten die mittel- und langfristigen Ziele der BBL?

Dirk Kaiser: Wir haben in unserem Leitbild verankert, dass wir im Jahr 2020 die beste nationale Basketball-Liga in Europa sein wollen. Diesbezüglich haben wir bereits einige Etappen erfolgreich absolviert und den Abstand zum aktuellen Branchenprimus Spanien merklich reduziert. Dass wir das Ziel tatsächlich erreichen können, dafür gibt es einige relevante Indikatoren – beispielsweise die Steigerung des Gesamtumsatzes und die stabile wirtschaftliche Lage in Deutschland, die eine hohe Anziehungskraft auf Stars aus dem Ausland ausübt. Mittelfristig ist uns daran gelegen, die Zahl der Basketball-Interessierten weiter zu steigern – gemeinsam mit den Klubs, die vor Ort exzellente Arbeit leisten.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Fotos: Pressefotos (c) Beko BBL / www.fotoduda.de

Titelbild: Dirk Kaiser, Leitung Kommunikation und Medien bei der BBL

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