Hamburg, 06. Juli. Seit dem 1. Juli gibt es in Japan eine Einspeisevergütung für Solaranlagen. Das Land will so den Ausbau Erneuerbarer Energien verstärkt voranbringen. Denn spätestens seit der Katastrophe in Fukushima lehnt ein großer Teil der Bevölkerung Atomenergie ab. Doch bislang kann Japan seinen Energiebedarf nur decken, indem es wieder auf Atomstrom setzt. So sind nach der vorübergehenden Abschaltung aller Atomkraftwerke aktuell bereits wieder drei Anlagen am Netz. Mit der neuen Einspeisevergütung soll sich die Versorgungssituation langfristig entspannen, denn Japan setzt in der eigenen Energiewende auf Photovoltaik als eine der tragenden Säulen.

Bislang decken Erneuerbare Energien in Japan nur 1,6 % des gesamten Energiebedarfs ab. Dabei bietet Japan neben guten Voraussetzungen für Solarenergie auch für Wind- und Wasserkraft gute Standortbedingungen. Die Regierung hat sich mit dem beschlossenen Einspeisetarif nun auf die Förderung von Solarenergie geeinigt. Sie wird bei einer Laufzeit von 20 Jahren bei 39,6 ct liegen und ist damit gut doppelt so hoch wie in Deutschland. Ebenso wie in der Bundesrepublik ist eine Umlage auf die Verbraucher geplant. Dabei belaufen sich die Schätzungen auf eine monatliche Zusatzbelastung der Haushalte von durchschnittlich 87 Yen (ca. 0,9 Euro). Unterstützt werden durch den Einspeisetarif Großanlagen ab 10 Kilowatt (kW). Hintergrund: Privatanlagen sind bei den Japanern bereits sehr beliebt, rund 1,2 Gigawatt (GW) von insgesamt 1,4 GW Solarleistung in ganz Japan wurden bislang privat installiert. Auch weiterhin zeigen sich positive Tendenzen. So stieg die Zahl der Bewerbungen um häusliche Solarinstallationen von April 2011 bis Januar 2012 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 140 % auf 215.178.

Durch den finanziellen Anreiz aufgrund des neuen Einspeisetarifs soll nun der Zubau im Bereich der Großanlagen gefördert werden. Vor diesem Hintergrund erwartet die japanische Regierung eine Steigerung des Solarenergie-Zubaus von 1,3 GW in 2011 auf 3,2-4,7 GW in 2012. In diesem Zusammenhang plant Toshiba das bislang größte Solarprojekt in Japan, es wird in der Nähe des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima entstehen und eine Leistung von 100 Megawatt (MW) erbringen. Noch für 2012 ist der Baubeginn angesetzt, 2014 sollen die Photovoltaik-Anlagen ans Netz gehen.

Damit sind auch im weit entfernten Japan die ersten Weichen für eine atomfreie Energieversorgung gelegt. Es bleibt zu hoffen, dass Japan diesen Weg weitergeht und ihm viele weitere Nationen folgen. Denn niemand braucht auch nur noch eine Atomkatastrophe wie Fukushima – oder schon länger zurückliegend Hiroshima –, um sich darüber klar zu werden, dass die Zukunft der Energieversorgung in regenerativen Quellen zu finden ist, ganz unabhängig von der Argumentation rund um den Klimawandel.

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