Hamburg, 16. Mai. Seit gut zwei Jahrzehnten befindet sich Japans Wirtschaft in einer Deflation. Um diesen Zustand zu verändern, verfolgt Ministerpräsident Shinzo Abe – seit Dezember 2012 im Amt – eine aggressive Konjunktur- und Geldpolitik. Die eingeleiteten Schritte sind bei Experten umstritten, zeigen offenbar jedoch erste Wirkung. So lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im ersten Quartal 0,9 % höher als Ende 2012 und stieg somit stärker an, als erwartet. Experten hatten lediglich mit einer Zunahme um 0,7 % gerechnet. Auf das Jahr hochgerechnet beträgt die Wirtschaftswachstumsrate 3,5 %.

Sollte diese Zahl tatsächlich zutreffen, wäre dies verglichen mit anderen westlichen Industrieländern beeindruckend. Für die Vereinigten Staaten erwarten Experten Ende 2013 beispielsweise ein Wachstum in etwa oberhalb von 2 %, Europa und Großbritannien liegen weit dahinter. Für Deutschland sehen Prognosen im Moment ein BIP von 0,7 % voraus.

Ein wesentlicher Grund für die positive Entwicklung in Japan sehen Experten vor allem in den steigenden Konsumausgaben. Diese tragen rund 60 % zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Im ersten Quartal 2013 stiegen sie real um 0,9 %. Unterstützend wirkt zudem der Boom am japanischen Aktienmarkt. Hier stiegen die Kurse seit November 2012 um 70 %. Für viele Japaner verbessert sich dadurch die finanzielle Situation, was sich entsprechend positiv auf deren Konsumlaune auswirkt. Neben der guten Binnenkonjunktur trugen auch steigende Exportzahlen zur guten Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal bei. Hauptursache hierfür ist der billige Yen, der japanische Waren im Ausland günstiger macht.

Trotz der positiven Entwicklung bleiben die durch Premier Abe eingeleiteten Maßnahmen umstritten. Zuletzt warnten Politiker in Europa und Amerika Japan davor, seine Währung künstlich weiter zu schwächen. Dadurch verschaffe sich das Land unfaire Wettbewerbsvorteile. Zudem sei Japan bereits heute so stark verschuldet wie kein zweites Industrieland. Durch die lockere Geldpolitik der japanischen Notenbank erhöhen sich die Schulden weiter. In Anbetracht der schrumpfenden und alternden Bevölkerung Japans ein zweifelsohne gefährliche Gradwanderung.