Japan hält uns in Atem: ein Trio des Schreckens mit Erdbeben, Tsunami und Gefahr eines atomaren Supergaus. So treten die Befreiungskämpfe in Libyen und anderen nordafrikanischen Staaten als Jahrzehnt-Ereignisse in den Schatten.

Börsenexperten stellt sich dabei stets die gleiche Frage: Welchen wirtschaftlichen Einfluss werden die Geschehnisse haben? Und eine Prognose scheint deutlich: Naturkatastrophen erleben sie als berechenbarer denn menschliches Handeln.

Ein Blick zurück: August 2005 richtet Hurrikan Katrina unter anderem beim Untergang New Orleans Sachschäden von rund 81 Milliarden US-Dollar an. Der DAX gab innerhalb der ersten Woche lediglich um 1,5 % nach1. Nur drei Monate später hatten sich die Wirtschaft und Börsenkurse in den USA erholt und Experten hielten sogar eine Jahresend-Rallye der Wallstreet für möglich2.

Im Tagesspiegel vom 14.März äußerte sich Jim Rogers zu den Chancen, die aus Katastrophen erwachsen: „Die Geschichte zeigt uns, dass Naturkatastrophen immer eine Kaufgelegenheit bieten. Solche Dinge sind schrecklich, aber sie sind nicht das Ende der Welt.“ Bei geschätzten Schäden zwischen 88 und 132 Milliarden Euro geht er von einer zügigen Erholung der Märkt und einem starken Konjunkturprogramm der japanischen Regierung aus. Ähnlich äußerte sich der Citibank-Analyst Steven Wieting in der Süddeutschen Zeitung am 17. März. Er vergleicht die derzeitige Krise Japans mit dem Erdbeben von Kobe 1995, bei dem es für die Weltwirtschaft kaum negative Konsequenzen gegeben habe: „Nach dem Erdbeben in Kobe 1995 steckte Japan die ökonomischen Konsequenzen relativ schnell weg. Damals brach die Industrieproduktion im Unglücksmonat Januar zwar ein. Doch bereits im Februar nahm sie wieder um den selben Wert zu“, so Wieting3.

Weniger zuversichtlich scheinen die Börsianer bezogen auf die Planbarkeit menschlichen Handelns, wie die nordafrikanische Revolution, zu reagieren. Angst um die globale Energieversorgung treibt dabei die Kurse nach unten. In der Spitze verlor der die Region abbildende S&P Pan Arab Composite-Index 125 Punkte, knapp 17 %. Auf steigende politische Risiken in den nordafrikanischen Ländern haben Anleger mit dem Abzug von Kapital reagiert. Stabilität scheint mehr bei den gewohnten Herrschaftsstrukturen gesehen zu werden als in der Chance auf eine Demokratisierung. Große Auswirkungen haben die politischen Unruhen in Nordafrika insbesondere auf den Ölpreis. In London stieg der Preis für ein Barrel Öl von unter 100 Dollar Ende Januar auf über 110 Dollar Ende Februar. Die Sorge nimmt zu, dass der Ölpreis weiter steigt und dadurch die internationale Konjunktur abwürgt. Ob Militäraktionen geeignet sind, die Märkte zu beruhigen, darf aufgrund der Erfahrungen des Irak-Kriegs bezweifelt werden. Allerdings zeigten sich Wall Street (+ 1,6 %) und DAX (gut + 2 %) zunächst mit Kursgewinnen positiv. Das ist für den Start ein Gegentrend zum Irak-Krieg oder den Attentaten auf die Twin Towers, bei dem der DAX innerhalb einer Woche gut 10 % verlor. Es bleibt abzuwarten, welchen Verlauf die Entwicklungen in Nordafrika nehmen, und ob am Ende ähnliche Nervositäten aufkommen. Sicher ist, dass wir vor großen nicht zuletzt humanitären Herausforderungen stehen: Solidarität mit Japan und neuen Flüchtlingsströmen, die Italien bereits jetzt innenpolitisch zu inszenieren beginnt.

1http://www.gevestor.de/details/katastrophen-und-boersen-geschichte-einer-wechselwirkung-500119.html
2http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,386028,00.html
3http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/japan-und-die-zukunft-der-faktor-angst-1.1073054