Hamburg, 14. Mai. Mit dem Emissionshandel für Kohlendioxid wollte die EU-Kommission die Schadstoffemissionen verringern. Aufgrund der hohen Anzahl der sich im Markt befindlichen Zertifikate und dem entsprechend niedrigen Preis bieten die Rechte Unternehmen jedoch kaum Anreiz, um auf umweltfreundlichere Technologien umzusteigen. Aus diesem Grund verlangt nun das Bundesumweltamt eine radikale Kürzung der Emissionsrechte für Kohlendioxid.

1,7 Mrd. Rechte zu viel im Markt

Teilnehmer am Emissionshandel sind die Energiewirtschaft, die energieintensive Industrie sowie seit 2012 der Luftverkehr. Das Prinzip: betroffene Unternehmen erhalten CO2-Zertifikate. Diese berechtigen das Unternehmen zum Ausstoß einer genau festgelegten Menge an CO2. Verursacht das Unternehmen mehr Emissionen, muss es zusätzliche Zertifikate kaufen. Bei einer Reduzierung der Emissionen hat das Unternehmen aber die Möglichkeit, die überzähligen Zertifikate zu verkaufen und dadurch einen Gewinn zu erzielen. Für Unternehmen sollte somit ein Anreiz geschaffen werden, um auf umweltfreundlichere und effizientere Technologien umzusteigen. Der Erfolg dieser Maßnahme lässt jedoch bis heute auf sich warten. Ein wesentlicher Grund hierfür: Aktuell befinden sich laut Einschätzung des Bundesumweltamtes etwa 1,7 Mrd. Rechte zu viel im Markt. Dieses große Angebot macht sich entsprechend beim Preis bemerkbar. An der Börse kosten die Rechte im Moment weniger als vier Euro die Tonne. Daher setzen viele Unternehmen weiterhin eher auf „schmutzige“ aber kostengünstigere Braun- und Steinkohle.

Einen weiteren wichtigen Grund für den Preisverfall und das vorhandene Überangebot sehen Experten in der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa. Da die Wirtschaft deutlich weniger stark gewachsen ist als prognostiziert, müsse es nach Experteneinschätzung möglich sein, die zu hohe Zertifikatemenge aus dem Handel zu nehmen.

Nationale CO2-Abgabe möglich

Sollte auf europäischer Ebene keine Einigung erzielt werden können, plädiert das Bundesumweltamt für eine nationale Lösung. Diese sieht eine CO2-Abgabe von 12 Euro je Tonne vor. Ohne eine solche Maßnahme wäre Deutschland laut den Experten kaum in der Lage, sein Ziel zu erreichen, bis 2020 die Emissionen gegenüber 1990 um 40 % zu senken. Allerdings wäre ein Abbau um 34 % ohne eine solche Maßnahme für Deutschland umsetzbar.

Im vergangenen Jahr produzierten Braun- und Steinkohle-Kraftwerke vier Prozent mehr Emissionen. Bei Gaskraftwerken kam es zu einem Minus von acht Prozent. Insgesamt stieg der CO2-Ausstoß in Deutschland im vergangenen Jahr mit 452,6 Mio. Tonnen um 0,5 % gegenüber 2011 wieder an.