Regensburg, 06. Dezember. Zunehmend normaler ist für den deutschen Bundesbürger die Frage, ob er sich seine Gesundheit eigentlich leisten kann. Wie gut bin ich versichert? Welche Abstriche muss ich bei welcher Zuzahlung in Kauf nehmen? Dabei sind die Versorgungsleistungen hierzulande noch überdurchschnittlich gut. In anderen Industrienationen wie den USA kommt eine Behandlung für den Großteil der Bevölkerung einer finanziellen Katastrophe gleich. Weltweit aber ist seit einigen Jahren erhebliche Bewegung hin zu einer besseren Grundversorgung erkennbar. Politischer Reformwille hat dabei enorme Anstrengungen unternommen – besonders immens in China –, Kurs auf eine erreichbare und finanzierbare medizinische Betreuung für nahezu jeden zu nehmen.

An diesem Punkt kommen auch die globalen Finanzmärkte ins Spiel, die das Kapital für solche Unternehmungen über Aktienbeteiligungen zur Verfügung stellen. Denn dass mit dieser Entwicklung nicht nur Gutes getan wird, sondern es auch Geld zu verdienen gibt, zeigen die Branchenzahlen deutlich. So berichtet eine aktuelle Roland Berger Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Technologie, dass der weltweite Gesundheitsmarkt jährlich um rund 6% wächst. Faktoren wie die Alterung der Weltbevölkerung, der technische Fortschritt und der Anstieg der Kaufkraft würden den Markt bis zum Jahr 2030 auf rund 20 Billionen US-Dollar anwachsen lassen.

Natürlich geht aber die Finanzkrise nicht spurlos an den börsennotierten Unternehmen der Healthcare-Branche vorbei. Im Abwärtssog der Märkte mussten Analysten auch hier ihre Einschätzungen nach unten revidieren. Da die Kurse allerdings nicht an den unternehmerischen Werten oder der Stärke der Branche gewichtet wurden, kann die Situation klassischerweise als günstiges Einstiegsfenster bewertet werden. So brachte beispielsweise die fürchterliche Katastrophe von Fukushima für den wichtigen Gesundheitsmarkt Japan – und damit auch für mit Japan kooperierende Unternehmen – deutliche Konsequenzen mit sich. Zwar blieben die meisten Healthcare-Unternehmen selbst von direkten Schäden verschont, dennoch gab es Produktionsausfälle, z.B. durch ausfallende Stromversorgung. In der Folge sanken z.T. die entsprechenden Aktienkurse, ohne dass die Branche grundsätzlich schlechtere Aussichten aufzuweisen hatte. Hinzu kam der angstbasierte Börsenhandel. So verlor der Nikkei kurzfristig massiv an Wert – über 16% in nur zwei Tagen. Davon erholten sich die Märkte insgesamt zwar recht schnell wieder, die Finanzkrise aber hat sie nach wie vor fest im Griff – mit Folgen auch für die Kurse von Healthcare-Firmen. Erfolgversprechende und gefragte Wachstumsmärkte gibt es dennoch. Sie zeigen sich vornehmlich in den Emerging Markets – in Asien und Lateinamerika. Dabei stehen im Fokus verantwortlicher Investoren hauptsächlich defensive Werte wie Pharma- und Large-Cap-Biotechnologie-Aktien, verkauft werden zyklische Titel. Nachfolgend wird mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr das zukünftige Entwicklungspotenzial der unterschiedlichen Healthcare-Sektoren aufgezeigt.

Fakten zum Pharmamarkt

Unverändert gewinnen Generika und Biotech an Bedeutung. Durch die erwähnten globalen Strukturen steigen die Medikamentenumsätze weltweit weiter an. Im Laufe des Jahres verstärkte sich auch das Engagement von Pharmafirmen in China. Sie sehen China zunehmend nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch vermehrt als Forschungs- und Entwicklungsstandort. Dabei werden innovative und kostengünstige Lösungen immer wichtiger. Daher legen Generika- und Biotech-Umsätze deutlich zu und wachsen auch absehbar weiter. So profitieren Generika bekanntermaßen direkt von den Patentabläufen im Pharma-Umfeld und bereiten damit den großen Pharmakonzernen weltweit Absatzprobleme. Neue Wege erschließen sich da vorrangig im Bereich Biotech. Viele Pharmafirmen arbeiten daher bereits mit Biotech-Firmen zusammen, z.B. indem sie sich Vertriebsrechte an zukünftigen Blockbustern sichern oder die Unternehmen übernehmen. Im Fokus stehen dabei Biotech-Firmen, die bereits Produkte am Markt verkaufen oder deren Medikament sich in der letzten Entwicklungsphase befindet. Über diesen Weg wollen marktführende Pharmaunternehmen in den USA, Westeuropa und Japan ihr ins Stocken geratenes Wachstum in den Griff bekommen. Biotechnologie nimmt so weiter an Bedeutung zu.

Fakten zur Medizinaltechnik

Medtech hatte 2011 ein relativ schwaches Jahr und blieb hinter dem Gesamtmarkt zurück. Aufgrund der Wirtschaftskrise wurden beispielsweise in den USA planbare Eingriffe wie Hüftoperationen oder auch Behandlungen, die komplett durch den Patienten zu tragen sind, wie Zahnersatz, aufgeschoben. Einerseits geschah dies sicher aus Angst vor längeren Fehlzeiten am Arbeitsplatz, andererseits auch aus Unsicherheit über die persönliche finanzielle Zukunft. Die Aussichten für 2012 aber sind deutlich besser, wie sich an den genannten Beispielen zeigen lässt. So können selbst planbare Eingriffe wie die Hüftoperation aufgrund von gravierender Verschlechterung nicht beliebig weit in die Zukunft verschoben werden. Auch in punkto Zahnersatz, der bereits seit 2008 vor allem in den USA hinausgezögert wurde, ist die Bevölkerung nicht weiter bereit, Verzögerungen in Kauf zu nehmen. Positive Fundamentaldaten, Innovationskraft und eine stabile inflationsgeschützte Nachfrage bestätigt auch das HWWI (Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut): Die Nachfrage nach Medizintechnik soll bis 2020 durchschnittlich zwischen 9-16% pro Jahr wachsen, vor allem in den Schwellenländern. Daher zeigt sich die Entwicklung der Branche trotz Wirtschaftskrise insgesamt relativ stabil, heißt: Die in einigen Ländern durch die Finanzkrise erfolgten und geplanten Einsparungen im Gesundheitswesen können durch ein hohes Wachstum beispielsweise in Asien kompensiert werden. Hier liegen die Quoten im deutlich zweistelligen Bereich. Dagegen weisen die Innovationszentren Europa und USA geringere Zuwachsraten auf. Deutschlands Medizintechnik wächst zum Beispiel mit etwa 5,3% pro Jahr und dominiert damit den EU-Markt. Mit etwas höheren Zahlen rechnen die Medtech-Firmen in den USA. Laut Berichten von der Fachmesse Medica gehen diese von einem jährlichen Wachstum von 8% aus. Hier entstehen beispielsweise bessere Methoden, um metastasierende Tumore frühzeitig zu erkennen, Neuheiten bei bildgebenden Verfahren, immer kleiner und dabei immer zuverlässiger werden Mikrosystem-Technologien.

Gesamtausblick

Beharrlich liefert der Gesundheitsmarkt produktive Lösungen, die auf einen unablässig wachsenden Nachfragemarkt treffen. Unter diesen Vorzeichen ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich dieser Bereich noch deutlicher als bisher vom allgemeinen Finanzmarktgeschehen positiv abhebt – liefert doch allein die demografische Entwicklung, mehr und immer ältere Menschen, bereits die Grundlage für ein 2,5%-iges Volumenwachstum im Jahr. Investoren sollten die derzeitige Unterbewertung nutzen, um sich einen defensiven Werttreiber als Portfoliobaustein zu sichern.

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Allgemeiner Risikohinweis für Finanzprodukte