Hamburg, 09. April. Türme ja, Kabel nein. Nikola Tesla (1856-1943) träumte von einer leitungslosen Energieübertragung über lange Strecken. Das war und ist Zukunftsmusik. Teslas Griff nach der sensationellen kabellosen Lösung (Wireless Power) ist programmatisch für verpasste Chancen. Eine derartige Elektroübertragung war teuer und funktionierte nicht effizient.

Teslas Grundidee von Wireless Power

Augenmaß verlangt Bundesumweltminister Altmaier bei der Energiewende von sich und allen Beteiligten. Revolutionäre Lösungen entstehen so sicher nicht. Tesla hat dabei weltweit vielversprechende Nachfolger: Das deutsche Projekt KONTENDA forscht seit 2004 an der Technik zur kontaktlosen Übertragung elektrischer Energie für industrielle Anwendungen. Im August 2008 präsentierte die Intel Corporation ein Wireless Resonant Energy Link (WREL) . Die Gründung des Wireless Power Consortiums (WPC) im Dezember 2008 sieht gleichzeitig die Einführung eines globalen Standards mit Namen Qi vor für die Aufladung von elektronischen Produkten. Das Consortium hat marktführende Mitglieder in den Bereichen Mobiltelefone, Consumer Electronics wie u.a. Netzwerkbetreiber, Möbelhersteller und Automobilzulieferer . Das kabellose Energieübertragungssystem „WiTricity“ einer Arbeitsgruppe am Massachusetts Institute of Technology (MIT) wird inzwischen durch das gleichnamige Unternehmen kommerziell vermarktet.

Netzausbau 2013

2013 ist der Forschungsstand somit ein anderer als zu Teslas Zeit. Aber eben diese drängt schon wieder; Wahlversprechen müssen in naher Zukunft eingelöst werden, der Atomausstieg 2022 pressiert. Positionen und sich widersprechende Informationen u.a. zu Transportarten und -kosten des Stroms vernebeln erneut das Offensichtliche: Eine Energiewende ist keine Wahl, der man mehr oder weniger zustimmen kann, sondern Pflicht, um deren Pionierfunktion sich momentan niemand reißt. Doch den Akteuren der Energiewende entgeht auf diese Weise die Chance, sich als zukunftsfähig – und zukunftsweisend – zu positionieren. Denn schon Teslas Visionen waren allein deshalb vielversprechend, da sie mehr Offenheit gegenüber Alternativen einforderten. Auf jeden Fall erweist sich die Entweder-Oder-Frage beim Netzausbau um Überlandleitungen oder Erdkabel als nicht mehr zeitgemäß.

Und wie sich zeigt, finden lebenstaugliche Ideen ihre eigenen Wege, wenn wir sie lassen: Kleingärtner in Hamburg und Berlin beleuchteten ganz nach Teslas Manier während der 1920er und 30er Jahren ihre Gartenhäuschen nahe eines Senderturms mit Hilfe von Glühbirnen, die zwischen Erde und einen Antennendraht geschaltet waren. Dies wurde untersagt, da so Elektroenergie entzogen wird, was die Sendekapazität minderte. Minimaler Abstand zwischen Energiesender und Empfänger, gekoppelt mit langer Ladezeit und kurzer Betriebszeit, Absorptionsgefahr und Elektrosmog bilden den Status Quo des kabellosen Stroms. Noch.

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