Hamburg, 11. Juni. Das Potenzial für Windenergie an Land ist größer, als bislang angenommen. Angaben des Umweltbundesamtes und einem Bericht des Magazins SPIEGEL zufolge könnte in Deutschland mehr Strom durch Onshore-Windanlagen produziert werden, als 2012 insgesamt verbraucht wurde.

Hehre Ziele

Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, sollen in der Nord- und Ostsee bis 2020 Offshore-Windanlagen mit einer Leistung von 10.000 Megawatt (MW), bis 2030 25.000 MW entstehen. Doch der Ausbau hinkt den hehren Zielen weit hinterher: Derzeit sind erst rund 200 MW installiert, der Bundesverband der Verbraucherzentralen spricht schon von einem „ökonomischen und technologischen Irrläufer“. Grund: Windanlagen auf See sind teurer als ihre Pendants an Land, da die Installation aufwändig und der Betrieb wartungsintensiv ist.

Mehr Gestaltungsraum, als bislang angenommen

Einer aktuellen Studie des Bundesamtes zufolge ist der Ausbau der Windkraft auf See aber gar nicht nötig, stehen doch an Land ausreichend Flächen zur Verfügung. Etwa 13,8 % der Landesfläche Deutschlands, rund 49.000 Quadratkilometer, seien als Standort für Onshore-Windenergie grundsätzlich geeignet, vor allem in den nördlichen Bundesländern. Umgerechnet könnte auf dieser Fläche hierzulande eine Leistung von jährlich bis zu 2,9 Mio. Gigawattstunden Strom produziert werden. Das entspricht in etwa dem fünffachen dessen, was in Deutschland im vergangenen Jahr verbraucht wurde.

Ein Teil des Potenzials ausreichend

Der Behörde zufolge sei das tatsächlich nutzbare Potential zwar – abhängig von diversen ökonomischen, ökologischen und politischen Rahmenbedingungen – deutlich kleiner. Allerdings reichten insgesamt schon 60 GW Onshore erzeugter Strom aus, da die Stromversorgung nicht zu einhundert Prozent aus Windkraft gedeckt werden kann. Grund: Da bei Flaute kein Strom produziert wird, muss Windkraft stets durch andere Energiequellen ergänzt werden.