Im Dezember 2014 fand in Hamburg im Rahmen des Studiums zum Master of Science Chiropractic das viertägige Philosophie-Modul statt. Insgesamt setzt sich der Studiengang aus 12 Modulen zusammen, die sich mit den Bereichen Wissenschaft, Kunst der Justierung und Philosophie befassen. Im folgenden Rückblick schildert Jaan-Peer Landmann, Vorstand und Mitbegründer von Chiropraktik Campus und selbst Master-Student der ersten Stunde, seine Erlebnisse aus dem zweiteiligen Studienblock.

Block 1: Wohin entwickelt sich die moderne Chiropraktik? Zwei Koryphäen berichten von ihren Erfahrungen

Der erste Teil des Philosophie-Moduls setzte sich aus zwei je eintägigen Vorträgen von Dr. Mark Styers (DC) und Dr. Jean-Paul Pianta (DC) zusammen. Übergeordnetes Thema war in beiden Fällen „Chiropraktik im Wandel der Zeit“. Die beiden Koryphäen auf ihrem Fachgebiet haben es absolut verstanden, uns Studenten mit ihrem Wissen zu beeindrucken und in ihren Bann zu ziehen. Mit Größe, Gelassenheit und Humor hat Dr. Jean-Paul Pianta (DC) viele Dinge infrage gestellt, die wir in unserem chiropraktischen Alltag bislang als selbstverständlich hingenommen haben. Der Franzose, der lange Zeit als Präsident des französischen Chiropractic Colleges in Paris tätig war, hat zudem von der Rolle der Chiropraktik in Frankreich gesprochen. Natürlich gibt es auch in Frankreich die altbekannten „Grabenkämpfe“ zwischen der Schulmedizin und der Amerikanischen Chiropraktik. Überrascht hat uns jedoch, dass der Begriff „Subluxation“ aus dem Sprachgebrauch an der medizinischen Universität verbannt wurde. Gemäß des rein schulmedizinischen Prinzips wurde die Nervenstörung dabei durch Schmerz ersetzt. Dies hat mir auch für die Situation hierzulande wieder vor Augen geführt, wie wichtig der Auf- und Ausbau einer akademischen chiropraktischen Expertise ist. Ins gleiche Horn stieß auch der zweiter Vortragende Dr. Mark Styers (DC). Der laute aber faszinierende Amerikaner hat den Finger direkt in die Wunde gelegt und die vermeintlichen Widersprüche zwischen Chiropraktik und Schulmedizin dargelegt.

Dr. Mark Styers (DC) hat uns wieder auf den Ursprungsgedanken der Chiropraktik zurückgeführt: Er hat uns im Vorwege als Vorbereitung auf das Modul, gebeten, das Vorwort zu D.D. Palmers Werk “The Chiropractic Adjuster” -Textbook of the Science, Art and Philosophy of Chiropractic for Students and Practitioners – aus dem Jahre 1910 zu lesen und unsere Gedanken dazu aufzuschreiben. Hier ein Zitat aus dem Buch, das mich besonders fasziniert hat:

„Leben ist der Ausdruck von Tonus. In diesem Satz zeigt sich das grundlegende Prinzip der Chiropractic. Tonus ist der normale Grad von Nervenspannung. Tonus wird deutlich durch normale Elastizität, Aktivität, Kraft und Erregbarkeit der verschiedenen Organe, wie sie in einem gesunden Zustand beobachtet werden können. Folglich liegt die Ursache für Erkrankungen in jeder Veränderung des Tonus – Nerven die zu angespannt oder zu schlaff sind.“

Block 2: Viele Bücher und noch mehr Fachwissen

Im zweiten Unterrichtsblock musste jeder der 23 Studenten jeweils ein Fachbuch vorstellen und präsentieren. Einige der ausgewählten Werke waren dabei philosophischer und vitalistischer Natur, andere haben sich bspw. direkt mit Originalwerken von Palmer auseinandergesetzt. Falls das Buch keinen reinen Bezug zur Amerikanischen Chiropraktik aufwies, musste dieser Bezug hergestellt werden. Da die Kollegen allesamt mit sehr großem Engagement zu Werke gegangen sind, waren die durchschnittlich 20-minütigen Präsentationen für die Mitstudenten sehr lehrreich. Ich war begeistert davon, was für tolle Arbeiten hierbei abgeliefert wurden. Beeindruckt hat mich insbesondere die Vielfalt der präsentierten Bücher und wie unterschiedlich man sich den einzelnen Themen nähern kann.

Meine ganz persönliche Reise hat mich dabei zu Joseph B. Strauss geführt. In seinem Buch „Chiropractic Philosophy“ von 1991 betont er, welche entscheidende Rolle das Denken beim Praktizieren spielt. Dabei sei es die Art und Weise des Denkens, die determiniere, wie jemand Chiropraktik ausübt. Die Haltung hat erheblichen Einfluss auf die Wirkung. Für mich hat dies deutlich gemacht, wie wichtig sowohl das Wissen, als auch die innere Einstellung des Praktizierenden ist. Der wichtigste Satz von B.J. Palmer ist daher für mich auch seine Definition der Chiropraktik: Palmer definiert Chiropraktik als ein System, um die Segmente der Wirbelsäule manuell mit dem Ziel zu justieren, die Ursachen einer Erkrankung (DIS-Ease) zu beseitigen.

Im Hinblick auf die vorgestellten Bücher empfand ich es als „alter Hase der Chiropraktik“ sehr bereichernd, mich wieder intensiv mit den Meilensteinen der Amerikanischen Chiropraktik und damit auch dem eigenen Beruf auseinanderzusetzen. Mit einem großen Teil der Inhalte bin ich als praktizierender Chiropraktiker natürlich vertraut – allerdings nicht in dieser Tiefe und Intensität. Wir haben viel diskutiert und die Gelegenheit genutzt, altbekannte Gewohnheiten aus unserem Praxisalltag infrage zu stellen. Es tauchten interessante Fragen auf wie: Ist mein Vorgehen im täglichen Prozedere logisch? Und welche Rolle spielt die Philosophie dabei? Fragen, die ich mir seitdem wieder häufiger stelle.

Das kommende Modul 3 wird sich intensiv mit der Integralen Chiropraktik auseinandersetzen. Ein Fokus wird auf den übergeordneten psychisch-emotionalen Auslösern für Erkrankungen liegen. Nach der Lehre der Integralen Chiropraktik sind diese Auslöser ebenso wichtig zu erkennen wie der ursächliche somatische Hintergrund einer Erkrankung.

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