Hamburg, 05. Oktober. Trotz ihres unvergleichbar hohen Wirksamkeitsgrads kommt Wasserkraft in Deutschland aktuell nur eine geringe Bedeutung zu. Mit einem Anteil von 16 % am Erneuerbaren-Energie-Mix – bzw. 3,2 %1 bezogen auf den Endenergieverbrauch – nimmt sie im europäischen Vergleich nur einen hinteren Rang ein. Zu einem Großteil liegt das in dem Mangel geeigneter Standorte begründet. Denn die wenigen, die es gibt, werden bereits zu 70 % ausgeschöpft. Nur vereinzelt sehen Experten noch aussichtsreiche Gebiete zur Förderung von Wasserkraft hierzulande. Hauptsächlich liege das Potenzial daher in der Modernisierung alter Anlagen, deren Leistung auf diese Weise deutlich gesteigert werden könne.

Wasserkraft in Deutschland – die aktuellen Zahlen

2011 waren in Deutschland rund 7.400 Wasserkraftanlagen mit einer Leistung von 19,5 Gigawattstunden (GWh) installiert.2 Ein Großteil davon (6.250) verfügt über eine Leistung von weniger als 1 Megawatt (MW). 406 Kraftwerke produzieren mehr als 1 MW, der Rest nur für den Eigenbedarf. Rund 80 % der Jahresarbeit aus Wasserkraft wird in den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg erzeugt.3 In Bayern stellte Wasserkraft 2011 mit einem Anteil von 19,3 % am Stromverbrauch die wichtigste regenerative Energieform dar.4 In Baden-Württemberg trug sie im gleichen Zeitraum rund 8 % zur Nettostromerzeugung bei.5

Zubau-Potenzial von Wasserkraft in Deutschland

Standorte wie Baden-Württemberg sind es auch, in denen sich noch vereinzelt für die Wasserkraftnutzung geeignete Standorte finden. Einer Studie des Energiekonzerns EnBW zufolge kommen hier insgesamt 13 Standorte mit einer Gesamtleistung von rund 19 Gigawatt (GW) in Frage. Darüber hinaus könne eine Leistungserhöhung von Wasserkraft in Deutschland hauptsächlich durch die Modernisierung bereits bestehender Kraftwerke umgesetzt werden. Allein durch entsprechende Maßnahmen in Nebengewässern des Oberrheins könnten die Kraftwerksleistungen um 29 % gesteigert werden.6 In solchen Modernisierungsvorhaben liegt mit ca. 3,5 Terrawattstunden pro Jahr (TWh/a) ein Großteil des in Deutschland vorhandenen Potenzials.7

Hintergrund: Erneuerbare Energien in Deutschland

Obwohl der Anteil von Wasserkraft an der deutschen Energieerzeugung vergleichsweise gering ausfällt, leistet diese nachhaltige Ressource dennoch einen Beitrag zum Erreichen der EU-Klima-Ziele. So ist Deutschland eines von 16 Ländern der EU, das seine 2020-Ziele für eine nachhaltige Energieversorgung übererfüllen wird. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Strom-Mix beträgt derzeit bereits 20,8 % des Bruttostromverbrauchs, was einer gesamten installierten Leistung zur Strombereitstellung von 65.483 MW entspricht.8 Bis 2020 hat sich die Bundesregierung einen Anteil von 35 % an der Stromerzeugung zum Ziel gesetzt, 2050 soll dieser dann 80 % betragen. Auch die Emission von Treibhausgasen sinkt geplant bis 2020 um 40 %, bis 2050 sogar um 95 %.

1 Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland 2011, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2011

2 ebd.

3 http://www.foederal-erneuerbar.de

4 https://www.statistik.bayern.de/presse/archiv/2012/58_2012.php

5 http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-suedwesten-hat-laut-studien-grosses-potenzial-fuer-wasserkraft_aid_784951.html

6 http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-suedwesten-hat-laut-studien-grosses-potenzial-fuer-wasserkraft_aid_784951.html

7 Potenziale der Wasserkraft, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2011

8 Bundesländer mit neuer Energie: Jahresreport Föderal-Erneuerbar 2011/12, Agentur für Erneuerbare Energie, 2012

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