Hamburg, 21. März. Solar ist ein Eckpfeiler der Energiewende. Doch aufgrund eines sonnenarmen Winters sank die Produktion von Energie aus Solaranlagen – bei einem gleichzeitigen Anstieg der installierten Erzeugungskapazität um 34 %. Um den Ausfall zu kompensieren, mussten immer häufiger Kohlekraftwerke zugeschaltet werden.

Die deutsche Energiewende ist ein Mammutprojekt: Bis 2050 soll die Stromproduktion zu 100 % aus Erneuerbaren Energien stammen. Folglich wurde im vergangenen Jahr auch kräftig zugebaut: Allein im Bereich Solar stiegen die Erzeugungskapazitäten 2012 um 8,2 Gigawatt (GW). Dennoch betrug die Solarstromproduktion im Januar 2013 gerade einmal 0,35 Terawattstunden (TWh), wie das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE berichtet. Im Januar 2012 waren es immerhin noch 0,5 TWh. Grund für den Rückgang: Der sonnenärmste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 60 Jahren.

Gelingen der Energiewende

An und für sich dürfte Sonnenarmut jedoch keine Gefährdung für das Gelingen der Energienwende darstellen. Wie Studien des Fraunhofer Instituts zeigen, ergänzen sich die beiden Energieträger Wind und Sonne über das Jahr gut, da ihre Höhepunkte genau entgegengesetzt liegen. Während Solarstrom zu 69 % im Sommer und Frühjahr produziert wird, fällt mit 62 % der meiste Windstrom im Herbst und Winter an. Allerdings stehen die meisten Windräder im Norden, während die Solaranlagen überwiegend im Süden des Landes installiert sind. Um den Strom je nach Erzeugung vom Norden in den Süden oder umgekehrt zu transportieren, fehlt es in Deutschland jedoch schlicht an den entsprechenden Netzen.

Energieerzeugung mit Kohle

Eine Folge dieses Umstandes ist, dass die Netzbetreiber in den vergangenen Monaten laut eigenen Angaben immer häufiger in die Stromversorgung mit sogenannten „redispatches“ eingreifen mussten. Dies bedeutet: Aufgrund schwankender Strommengen an bestimmten Stellen im Netz müssen Kraftwerke spontan hoch- oder runtergefahren werden. Dabei lassen die Energieversorger verstärkt solche Kraftwerke laufen, die am billigsten Strom produzieren – und das sind umweltunfreundliche Kohlekraftwerke. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) stieg der Anteil der klimaschädlichen Stromerzeuger am deutschen Strommix im vergangenen Jahr von knapp 43 % auf annähernd 50 %. Allein im laufenden Jahr nehmen per Saldo neue Kohlekraftwerke mit einer zusätzlichen Gesamtleistung von 4.300 Megawatt (MW) den Betrieb auf. Obwohl auch einige Altanlagen abgeschaltet werden, sind für die nächsten Jahre zusätzliche Steinkohle-Kraftwerke mit weiteren rund 2.000 MW Leistung geplant, wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) unter Berufung auf Planzahlen der Bundesnetzagentur mit.

Netzausbau erforderlich

Um umweltbelastende Kohlekraftwerke künftig obsolet zu machen, muss der Ausbau der Übertragungsnetze vorangetrieben werden. Und die Pläne sind ehrgeizig: Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 den Bau von 3.800 km neuer Stromtrassen und den Ausbau von 4.400 km bereits bestehender Leitungen vor. Dies dürfte Kosten von rund 20 Mrd. Euro verursachen. Damit Solar und Wind auch künftig ein Eckpfeiler der Energiewende bleiben können, ist der forcierte Netzausbau jedoch alternativlos.

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