Langenfeld. Ein Wegbereiter des Finanzcrashs 2008 war die Politik. Durch Abschaffung von Gesetzen und Regularien legte sie den Grundstein für die Entstehung und das letztendliche Platzen der Immobilienblase. Im dritten Teil des kleinen Einmaleins der Finanzkrise erklärt André Kunze, geschäftsführender Gesellschafter der Prometheus Asset Management GmbH, inwiefern die Politik heute gefordert ist, um die Wiederholung eines solchen Szenarios zu vermeiden.

Ursachenforschung – Der Blick zurück

„Mit der Aufhebung des Glass-Steagall-Gesetzes markierte Bill Clinton 1999 den Höhepunkt der Deregulierung der Finanzmärkte“, ist André Kunze sicher. Diese nach der Weltwirtschaftskrise 1933 eingeführte Richtlinie untersagte dem US-Bankenmarkt die Bildung von Universalbanken. So durften bis zur Abschaffung des Gesetzes 1999 US-Banken nicht zeitgleich im Investmentbanking und im kommerziellen Bankgeschäft tätig sein. „Clintons Entscheidung ebnete den Weg für die Entstehung riesiger Bankkonzerne. Und das Scheitern dieser Bankriesen wurde den Staatskassen letztlich zum Verhängnis“‚ schildert Kunze weiter. Damit drohende Konkurse dieser aufgrund ihrer Größe systemgefährdenden Banken nicht zu einem Totalzusammenbruch des Finanzmarkts führten, bedurfte und bedarf es weltweit zahlreicher staatlicher Hilfsmittel. Zweiter Eckpfeiler der Krise aus politischer Sicht stellten die Eigenheimförderprogramme der Regierungen Clinton und Bush dar. „Für George W. Bush sollten die USA ein Land von Hausbesitzern sein“, beschreibt Kunze. „In seinen Augen stand daher auch Familien mit unzureichendem Einkommen ein eigenes Haus zu. So nahm die spätere Immobilienblase ihren Lauf.“

Begrenztes Kreditvolumen trifft auf unbegrenzte Verbriefungen

Zwar wurde damals wie heute das Volumen des Kreditgeschäfts der Banken durch den Gesetzgeber laufend überwacht, doch zeitgleich ermöglichten Lockerungen der Finanzmarktrichtlinien die Entstehung einer Parallelwelt: „Neben dem originären Kreditgeschäft wuchs das Kreditvolumen durch Verbriefungen rapide und unkontrolliert an“, so Kunze. Konsequenz: Unkontrollierte Auswüchse am Immobilienmarkt. „Politiker haben die Straße also zuerst geteert und gewalzt, dann Mittelstreifen, Richtungspfeile, Straßenbegrenzungen und Tempolimits vergessen. Heute entziehen sie sich jedoch durch den ausgestreckten Zeigefinger auf andere elegant der Mittäterschaft“, bemängelt André Kunze. Als vermeintliche Alleintäter stünden nun die ‚Spekulanten‘ da.

Vom Suchen und Finden eines Sündenbocks

In der medialen Berichterstattung stehen laut Kunze die Schuldigen der Krise fest – die Gier der Banken und das Handeln der Spekulanten. Aktuell belege die aktuell angestoßene Diskussion zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer diese Auffassung. „Die vermeintlichen ‚Spekulanten’ sind letztlich nichts anderes als Vermögensverwalter, die die gegebenen Informationen der Kapitalmärkte zum Vorteil ihrer Kunden zu nutzen suchen“, so Kunze weiter. „Natürlich reagieren sie auf die Aufs und Abs der Märkte durch entsprechende Käufe und Verkäufe und beeinflussen damit das Marktgeschehen. Doch das Interesse liegt hier nicht darin, den Märkten aus Prinzip und Bösartigkeit zu schaden, sondern vielmehr darin, das Vermögen der eigenen Kunden verantwortungsvoll zu verwalten“, erklärt der Experte. „Auch eine bereits vor Jahren eingeführte Finanztransaktionssteuer hätte weder die Finanz- und Wirtschafts-krise noch die aktuelle Euro-Krise verhindern können“, führt Kunze weiter aus. Erstere sei die Folge ausufernder Kreditverbriefungen und letztere die staatlicher Haushaltssünden. „Hätten die Regierungen nicht jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt, wären Anleger zuletzt nicht aus dem Euro geflüchtet und die vermeintlichen ‚Spekulanten’ hätten somit keinen Grund gehabt, auf einen Verfall des Euro zu setzen“, folgert Kunze.

Zurück in die Zukunft – Alte Richtlinien zur Vermeidung eines erneuten Crashs

Um ein Szenario wie in 2008 nicht noch einmal aufkommen zu lassen, ist die Politik gefordert. „Eine allumfassende Lösung zu finden, ist an dieser Stelle gewiss nicht einfach“, räumt Kunze ein. „Sicher ist, dass ein Koalitionsgerangel hier fehl am Platz ist. Die Politiker sollten sich zunächst ausgiebig und vor allem intern beraten, einen gemeinsamen Konsens finden und erst dann mit dem beschlossenen Ansatz an die Öffentlichkeit treten“, fordert Kunze. „Denn dieses Projekt ist zu wichtig – weitere gravierende Fehler werden weder die Staatshaushalte noch das Finanzmarktsystem schultern können.“

Kunze sieht in der Rückbesinnung auf frühere Regularien die einzige Lösung für zukünftiges Handeln: „Ein Rückdrehen des Rades und damit eine stärkere Regulierung des Bankensektors ist zwingend erforderlich. Vorausschauendes Handeln der Politik ist in Zukunft das A und O“, schließt Kunze ab.