Hamburg, 12. Februar. Mit Volldampf hat Deutschland seinen Ruf als konjunkturelle Lokomotive Europas während der Finanzkrise unter Beweis gestellt. Zwischen 2008 und 2013 sank die Zahl der Arbeitslosen um etwa 300.000 – ein Spitzenwert im Euroraum. Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gibt es insbesondere im traditionell eher strukturschwachen Osten des Landes stetig weniger Erwerbslose. Seit Ausbruch der Finanzkrise ist die Zahl der Arbeitslosen hier um drei Prozent zurückgegangen. Hauptverantwortlich hierfür seien laut Experten in erster Linie strukturelle Verbesserungen wie bspw. der Bau neuer Autobahnen oder auch die Verbesserung vorhandener Verkehrsnetze.

Doch wie bei jeder Statistik lohnt sich ein genauer Blick. Denn dann zeigt sich, dass die positiven Entwicklungen im Osten sind längst nicht nur strukturell zu erklären. Zumindest ein Teil des Erfolgs geht schlicht und ergreifend auf demografische Effekte zurück. So ziehen viele – vor allem junge – Menschen aus Ostedeutschland weg. Die, die bleiben, scheiden aufgrund ihres Alters zunehmend aus dem Berufsleben aus. Im Ergebnis gibt es weniger Menschen ohne Arbeit. Von einer nachhaltigen Entwicklung kann im Osten also keine Rede sein. Die konjunkturelle Lokomotive rollt also in erster Linie noch immer durch den Westen des Landes.