Hamburg, 04. Juni. Zwei Drittel der Deutschen fürchten, beim Kauf von Finanzprodukten getäuscht zu werden. Dies hat eine Studie des Meinungsforschungsinstituts infas für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ergeben. Befragt wurden rund 1000 Verbraucher ab 18 Jahren, nach welchen Kriterien sie Kaufentscheidungen bei Finanzprodukten treffen.

Laut Studie glaubt eine Mehrheit von 63 Prozent der Befragten, beim Kauf von Finanzprodukten getäuscht oder gar geschädigt zu werden. Nur 43 Prozent vertrauen darauf, dass die Wirtschaft nachteilige Produkte aussortiert. Dem Staat trauen dies nur 34 Prozent der Befragten zu. Verbraucherschützer leiten aus diesen Daten eine Vertrauenskrise der Verbraucher in den Markt ab. Auf der anderen Seite zeigt die Studie aber auch, dass sich nur 32 Prozent der Befragten intensiv mit der Entscheidung bei Finanzen auseinandersetzen.

Guter Ruf wichtiger als gutes Handeln

Bei der Auswahl eines Finanzproduktes gehen viele Verbraucher offenbar subjektiv vor: Neben dem Preis gaben 56 Prozent der Befragten an, verstärkt auf den guten Namen eines Instituts zu achten. Damit bewerten sie den guten Ruf höher als ethische Aspekte, die mit 48 Prozent zu Buche schlagen. Nach dem Prüfsiegel richten sich 47 Prozent der Befragten.

Stärkung des Verbraucherschutzes

Vor dem Hintergrund der bestehenden Unsicherheiten wünschen sich laut Umfrage 92 Prozent der Deutschen mehr unabhängige Marktkontrollen. Für ein höheres Maß an Orientierung sei die Mehrheit der Verbraucher auch bereit, auf eine größere Auswahl zu verzichten. Für Finanzprodukte gaben dies 66 Prozent der Befragten an.

Der vzbv fordert daher eine unabhängige Institution, die den Markt für Finanzprodukte beaufsichtigt und auf Fehlentwicklungen aufmerksam macht. Eine Art Frühwarnsystem solle Verbraucher schützen, bevor Schaden eintritt. Benötigt werde ein Finanzmarktwächter, der Verbraucherbeschwerden systematisch analysieren und seine Erkenntnisse Politik und Wirtschaft zur Verfügung stellen könnte. Vor dem Hintergrund der Bundestagswahl in drei Monaten scheint dieses Thema zum richtigen Zeitpunkt platziert, um noch Eingang in das eine oder andere Wahlprogramm zu finden.