Mit viel Spannung wurden am vergangenen Freitag die Ergebnisse des europäischen Banken-Stresstests erwartet. Deutsche Geldinstitute und die Bundesregierung sahen dem Test gelassen entgegen. Zu Recht, wie sich nun herausstellt – wenngleich es auch für einige von ihnen knapp wurde.

Als einziger Wackelkandidat hierzulande galt schon seit längerem die kriselnde Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), die in Folge der Finanzkrise inzwischen verstaatlicht wurde. Wenig überraschend scheitert sie als einziges deutsches Geldinstitut an den Kriterien. Von den insgesamt 91 getesteten Banken in Europa bestanden 84. Bei nüchterner Betrachtung der Zahlen ein sicherlich respektables Ergebnis. Durch den Test gelten jetzt selbst die kriselnden deutschen Landesbanken mit offiziellem Stempel als „stabil“. Gleiches gilt für etliche andere Institute, obwohl deren Lage zum Teil weiterhin hochprekär ist. So bestanden auch die französischen Banken die Krisenszenarien, obwohl sie viele Staatsanleihen von Problemländern wie Griechenland und Spanien in den Büchern haben. Durchgefallen sind neben der HRE, lediglich die griechische ATE Bank und fünf spanische Sparkassen. Nicht zuletzt in Anbetracht der Ereignisse der letzten Monate, beispielsweise die Herabstufung der Kreditwürdigkeit beider Länder, verwundern die recht positiven Ergebnisse dort ansässiger Institute.

Vor diesem Hintergrund fragen sich nicht nur Experten, wie viel Aussagekraft ein Test mit diesem Ergebnis tatsächlich hat. Banken die durchgefallen sind wirken wie Bauernopfer, ihr Scheitern bringt niemanden aus der Fassung. Das gilt selbst für das Krisenland Spanien, in dem gleich fünf Geldinstitute das härteste Belastungsszenario nicht bestanden haben. Hier kommen die Banken auf Kernkapitalquoten die unter der Mindestanforderung von 6 % liegen. Bereits vor dem Stresstest war jedoch klar, wie es um die spanischen Sparkassen steht, schließlich gehört dieser Sektor zu den großen Baustellen in der spanischen Finanzbranche. Finanzaufseher und Regierende waren auf die Resultate vorbereitet. Nach Bekanntwerden der Testergebnisse erklärte die spanische Notenbank, dass die heimischen Sparkassen insgesamt rund 16,2 Milliarden Euro frisches Kapital benötigen. Davon sind 10,6 Milliarden Euro durch den Restrukturierungsfonds und 3,8 Milliarden Euro durch den Einlagensicherungsfonds abgedeckt. Es fehlen also weniger als zwei Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund der in jüngster Zeit verabschiedeten Rettungspakete kaum der Rede wert.

In Deutschland gibt es (fast) keine Überraschungen. Mit dem Scheitern der HRE wurde gerechnet. Sie ist nicht nur der größte Problemfall der deutschen Finanzbranche – steckt sie doch mitten in der Umstrukturierung. Im Moment ist das Geldinstitut gerade dabei, riskante Papiere im Volumen von über 200 Milliarden Euro in eine so genannte Bad Bank auszulagern. Gestresst wurde die HRE allerdings noch in ihrem aktuellen Zustand. An einer wirklichen Aussagekraft bestehen also durchaus berechtigte Zweifel.

In einem Punkt immerhin könnten die Testergebnisse interessant werden: mögliche Sanktionen für Banken, die nur knapp bestanden. Nach dem stärksten Belastungsszenario kommt die Postbank nur noch auf eine Kernkapitalquote von 6,6 % – und damit nah an die erlaubte Grenze. Um den Test erfolgreich zu bestehen, ist eine Quote von mindestens 6 % notwendig. Mit 6,2 % näherte sich auch die Nord/LB nur knapp dieser Vorgabe. Bereits vor der Veröffentlichung warnten Analysten, solche Institute können in der Folge am Geldmarkt abgestraft werden. Doch es muss nicht so kommen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Landesbanken kam die Nord/LB beispielsweise ohne öffentliche Finanzspritzen durch die Krise. Ihre Eigenkapitaldecke ist vor allem Aufgrund dessen so dünn.

Am Ende bleibt bei vielen das Gefühl, dass der Stresstest zwar viel mit Brimborium inszeniert wurde, letztlich aber ein Schauspiel zur Beruhigung der Öffentlichkeit war. Er sollte zeigen, dass die Bankenaufseher wachsam sind, dass sie die Banken testen. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Bei der Umsetzung der Tests und der Veröffentlichung ging fast alles schief, was nicht schief gehen sollte – Stressmanagement aus einer Hand war nicht zu erkennen. So blieb beispielsweise bis zuletzt unklar, nach welchen Kriterien die Regulationen die Institute überhaupt auf Herz und Nieren geprüft haben. Jeder Beobachter sollte stutzig werden, wenn mit der ATE Bank lediglich ein einziges Institut aus Griechenland am Test scheiterte. Alle übrigen griechischen Banken können sich nun dank Stresstest mit dem Stempel „stabil“ rühmen. Wie viel das wert ist, wird nicht der nächste Test, sondern die nächste wirkliche Finanzkrise zeigen.