Hamburg, 24. Januar. Dem Abwärtssog der globalen Wirtschaftskrise hat die Türkei bisher widerstanden. Mit einer Wachstumsrate von 3 % im vergangenen Jahr ist die türkische Wirtschaft weich gefallen. Insgesamt hat das Land am Bosporus seit 2001 ein jährliches reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 5 % zu verzeichnen. Grund für die positive Entwicklung bei den Fundamentaldaten ist u.a. die Diversifizierung der Exportwirtschaft weg von den Ländern der Europäischen Union hin zu den Regionen Nahost und Nordafrika (MENA). Viele gute Gründe sprechen dafür, dass sich der positive Trend der vergangenen Jahre auch künftig fortsetzt.

Zu nennen sind hierbei politische Strukturreformen sowie ein umfangreiches Privatisierungsprogramm, wobei letzteres die Reduktion des staatlichen Einflusses auf Roh- und Grundstoffindustrien, den Bankensektor, die Transportindustrie und die Kommunikationsbranche regelt. Hinzu kommt eine starke inländische Nachfrage, u.a. verursacht durch positive demographische Faktoren, einer geringen Unternehmens- und Haushaltsverschuldung sowie niedrigen Realzinsen. Ein ebenfalls gewichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Aufschwung ist die deutliche Diversifizierung der Exportmärkte in den vergangenen Jahren. Während der Export in die Eurozone zwischen 2007 und 2012 von 56 % auf 40 % sank, hat sich der MENA-Anteil im selben Zeitraum von 18 % auf 34 % erhöht. Dank eines rigiden Sparkurses ist es der türkischen Regierung zudem gelungen, die Staatsverschuldung auf 40 % des BIP und damit auf einen der niedrigsten Werte in ganz Europa zu senken. Bis Ende 2012 ist eine weitere Senkung der Staatsschuld im Verhältnis zum BIP auf rund 36 % vorgesehen.

Nicht zuletzt aufgrund dieser positiven Entwicklung bei den Fundamentaldaten hat die Rating-Agentur Fitch das türkische Länderrating Anfang November 2012 auf Investment Grade heraufgestuft. Eine weitere Heraufstufung durch weitere internationale Ratingagenturen steht zu erwarten, was dem Land am Bosporus vollen Investment-Grade-Status bescheren würde. Mögliche positive Auswirkungen: Beschleunigung der Kapitalzuflüsse, Verbesserung der Finanzierungsqualität des Leistungsbilanzdefizits, verbesserter Zugang zu günstigen und langfristigen Kapitalquellen für Unternehmen, höhere Wachstumsraten sowie ein höheres Bewertungsniveau am Aktienmarkt. Eine Wachstumsrate von schätzungsweise 5 % pro Jahr scheint vor diesem Hintergrund auch in dem kommenden Jahren realistisch.

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